Beilage: Lied »Wahrer Verstand von des Herren Nachtmahl« (1527)
1r Warera verstand/
von
des herren
Nachtmal.b
cVff die weyß zů
singen c/
Es ist
das hayl vns
komen her. etc.
1v
Von des Herren Nachtmal.d
Ese ist die warheyt pracht an Tag/vons herren Nachtmal schone/1
Den Endchrist2 nichtz mer helffen mag/
sein dunckel und sein wone/3
Damit er hatt die welt verplent/4
und valsch gelert vom Sacrament/
das leyblichf fleisch werd gessenn.
2r Was got in seim wort reden thůt/ist alles geyst unnd leben.5
Also ist es auch nütz unnd gůt/
sunst ist es unns vergeben/
Der herr ist der das lebenn bringt/6
im glauben man nach der speis ringt/
die unser seel ergetzet.
Es was ein falscher won da bey/
das wir hie můsten glauben.
Das Christus so groß wie er sey/
laß sich der statt7 berauben/
Die er bey Gott seim vatter hat/
zur grechten8 biß die welt vergad/9
als10 die Apostel leren.11
Es bochet12 Lutherg hoch da her/
mit eim einzigen worte.
Als ob sunst nichtz geschriben wer/
in manchem end und orte./13
Dann als er14 sagt das ist mein leib/
merck aber was er nacher15 schreib/
der für euch würt zerbrochen.16
Das brechen ziehens uff17 das brot/
mag nit also bestone./18
Dann brott für uns kein todes not/
gelitten am kreytz frone/19
Sonder Christus mit seinem
2v leib/das menschlich gschlecht vorm teyffel pleyb/20
ist für uns gar zerbrochen.
Deßhalb so man die erstenn wort/
gantz leiblich wil annemen./21
So můß man das nachvolgend ort/22
auch dermassen bekennen/
So er nun spricht das ist mein leib/
und leiblich den verstand da treibt/
můß er23 leiblichh zerbrechen.
So volgt das wir on underlaß/
den herren muͤsten tödten./
Darum hat es ein anderi maß/
die uns hie ist von nöten/
Das wir in gmein24 brechen das brot/
und dencken ann des herren todt/
der am kreytz ist zerbrochen.
Ein gedechtnüsj ist nit selber das/
daran man soll gedenken.
Darum so ist es sunst etwas/
dahin wir muͤssen lencken/25
Wann26 zeychen sein/
und das bezeicht/27
zů unmüglichen Dingen reicht/
welchs nymmerk würt geschehen.
Gott handelt nůr nach seinem wort/
3r
und lassets darbey bleyben. Wan28 eranzeigt an manchem ort/29
last sich nit weytter treyben/
Aber die boͤß uneelich gburt/
die stets wider sein christum můrt/30
zeychen von himel gerett.31
Allein merck hie du rechter Crist/
das du der schrifft solt glauben.
Wan sy ir selbs nit wider ist/32
als es pracht würt für33 augen/
Auß alt und neuwem testament/
würt die warheit gentzlich erkendt/
wie es hie zů sey gangen.
Ein phaße34 ward von got zů gricht/
unnd Moße hart befolhen.35
Das alles hab er gůtten bricht/36
von got im nit verholen/37
Das es bedeut den uberschrit/38
ein lemblin39 ward getoͤdt darmit/
das man es solt gedencken.40
Und wann kinder fragen hernach/41
so sie das lemblin assen.
So antwurten die Juden gach/42
bald in sollicher massen/
Diß ist alhie der uberschrit/
das ir verstandenn auch damit /
das unß Gott hat erloͤßet.43
3v Nun was lam44 nitt der uberschrit/sonder ein dechtnüs zeychen.45
Also Cristus hie redet mit/46
wie er sich nůn wol47 reychen/
Beim brot sich selbs bedeuttet48 hat/
do er das phaße49 inen bot/
und sprach das ist mein leibe.50
Lucas unns dißes zeugknüs gibtl/
das Cristus istm51 ein phaße.52
Am zwentzig zweyten caput53 schriebn/
als ich es etwan laße/54
wie der her55 sagt mit grosser gird/56
ich jetz darzů beweget würd/
Phaße mit euch zů essen.57
Daruff er schnell ergreifft das brot/
danckt seines vatters guͤtte.
Bricht es alhie in dißer thatt/58
daraus wol zů vermůten/
Als der text kurtz hernach vermag/59
Darum sein kein beschwerdnüs trag/
es ist ein dechtnüß zeychen.
Deßhalb im60 eer beschehen soll/
umb den so es bedeute.61
Darumbs niemandto verachten woll/
darzů auch nit vermeyde/62
Aber du solts63 anbetten nitt/
4r dan abgoͤttrey die lieff darmit/so es ist ein geschoͤpffte.
Der schoͤpffer ist ein eyferer/
last keiner geschoͤpfft die ere.64
In exodo sagts got der herr/p65
da magstu es wol leren/66
Darum der Bapst und Lutherq klůg/
der sachen haben gantz kein fůg/
wiewol sie eins seind worden.67
Gott allein die Eere.r
sSo offt mans Herren Brot nun yßt/
und seinen kelch will trincken/
wie man klaͤrlich in Paulo lißt/
sol man seins todts gedencken/68
Mitt glauben preysen Got den Herrn/
dem naͤchsten dienen auch so gern/
denn werd wir ewig leben.69s
A6r
tNun volgt hernach die gantze Summa/ erklaͤrung unnd
frucht/ diß vorgenden Lieds/ Unnd singt mans ouch inn der selben wyß.
deß Sacraments inn gmeyne.71
Als es oben verklaͤret72 ist/
mitt dem lyblichen Phase/73
das es eynn daͤchtniß74 zeichen wart/
darmitt der Gloub vermanet hart/75
der losung Gotts zů pryse.76
A6v
Also Christus unns hie vermandt/da er das brot thůt reichen.
Zů sinr77 gedaͤchtniß als bekant/78
heißt er es im dermassen/79
Das wir durch wort und Sacrament/
werden getoufft zum Testament/
welches am Crütz ist gfestet.80
Solch Testament kein lyblich hand/
uns mag81 im Nachtmal reichen.
Sunder Got selbß on allen tant/82
thůt mit sim finger zeigen/83
Alle so er erwoͤlet hat/
und solchen bruch84 mit zücht und rhat/
darzů mitt Gottsforcht uͤben.
Diß sey also die erste Frucht/
A7r
bym Nachtmal gmeiner Christen.Danck sagen und mit siner Zucht/85
sůcht man nit in der kisten/86
Sunder mit rechtem Gloub und lieb/
ein yeder Christ inn gmeyn Sich uͤb/
Christo zů pryß und ehre.
Solch lieb würt mitt dem brot bezügt/
das wir inn gmeyn87 zerbrechen.
Dardurch die lieb unns würt bedütt/88
als Paulus selbst thůt spraͤchen/
zů den Corinthern er das bschrybt/
das wir vil durch ein brot verlybt/
die von eim brot teyl nemmen.89
Wie nun das brot ungheflet ist/
als Paulus ouch thut schryben.90
Also unnstraͤfflich sy der
A7v
Christ/will er ein gmeinsam bliben/91
Sunst wirt man in92 ußschliessen thun/
uff das die gmein93 mag haben rhů/
vor sinem suren hoͤfel.94
Woͤllcher so er die gmeyn durchkrücht/95
manchen zum fal thůt bringen.
Der sunst sich vor dem uben schücht/96
und foͤrcht es wird mißlingen/
Ob er wol sunst ein boßhafft hertz/
noch ists fürwar by ihm kein schertz/97
mit straff beschaͤmet werden.
Allein gehoͤrt Gott alle ehr/
KGK 306
Einleitung
