4r Durchlauchter hochgeborner furst gnediger herr. e'uer' f'urstlich' g'naden'sind meyne underthenige dinste/ in allem gehorsam zcuvor an.
Gnediger furst und herr/ die hochberumpte Universitett
zcu wittenbergk haben/ mir zcu
gut/ an e'uer' f'urstlich'
g'naden' eynen brieff
geschriben und geben1/ der nach meynem angeben/ solt gemacht
worden seyn/
als sich unser herr Rector der Achtbar und
hochgelartte her Philippus Melanchton und eczliche andre
erbothen.
Aber weill ich zcu wittenbergk/ in dem selben
brieffe2/ welcher mir zcubesehen zcugeschickt/ als ich gancz
wegefertig war3/ vermerckt habe/
das eczliche artickell auß-
gelassen und verschwigen/ sonderlich
eyner/ an dem mir
ethwas gelegen/ hab ich und auch anderer sach halben/
solchen
brieff E'uer'
f'urstlich' g'naden'/ mir zcu gut belangende/ eczliche tage bey
mir
behalden/ und mich bedacht/ ob ich e'uer' f'urstlich' g'naden' odder gedachter lob-
lichen
universitett widerumb
zcufugen4 solt. den
selbigen
schick ich e'uer'
f'urstlich' g'naden' mit undertheniger bith zcu.E'uer' f'urstlich'
g'naden' wolten
meyn nottorfft zcu hercz gehen lassen und nicht
zcu
ungnaden stellen.5
Der außgelassen artickel/ der mir am meynsten an ligt
ist disser. Ich byn obgenanter e'uer' f'urstlich'
g'naden'universitett schuldig
worden/ durch meyn vilfeldiges reisen zcu disser
pfharren6
und wolt sie
gern gnugig machen/ derhalben hab ich von yhnen
erbethen/ das sie meynen sold/
alhie zcu Orlamunde von dem
zcukunfftigen vicario eyn nemen und sich do mit beczalen
sollten/ ßo vil ich
yhnen pflichtig.7Die weil sie sich
ßo fruntlich und
trostlichen hören liessen. und alle erbothen/
sie wolten mich furdere und
helffen〈.〉 Und alßo wolt ich zcu
wittenberg seyn〈,〉 lesen und predigen.
und nicht zcuthun haben
mit den meßhaltern.8 Doch ßo fernen/ das mir das andere
zcu wittenberg wurd.
Solt ich nuhe/ g'nediger'
f'urst' und h'err'/ mich/ auff yhre schrifft9/ gen Witten-
berg erheben/ het ich zcu furchten/ das sie von
mir wolten
beczalt seyn/ und mir doch nicht zcu meynem sold10 helffen/ den
ich an iren beystand nicht erlangen
magk/ Das Capittell
hatt
mich wiczigk gemacht11/ und ursach
geben/ das ich yhnen
messiglich12 vertraw/ denn sie haben mir meyn
presencz
genhomen/ als ich meyner lection wartten13 solt/ widder
4v yhre statuten.14Drumb wil ich vor allem
wissen/ wie
und wo ich meynen sold heben werde.a von disser pfar15 will ich
meynen lohn nicht heben noch wartten/ ßo mir yhnen
obgedachte
universitett
nicht anheissig16 wurd, denn es
möcht mir als vor/
ergehen17/ do mit aber muß ich die lenge zcum betler werden. Mir
ist auch nicht
enthfallen/ das ich vil hindernis und wenig fur-
derungb gehabt.18 werd ich versichert/ ßo wil ich umb lohn
lesen,
one das trau ichs nicht zcuthun und gebs euren furst-
lichen gnaden
zcubedencken.E'uer' f'urstlichen'
g'naden' darff ich auch nicht bergen〈/〉
das
disse pfar den Sommerlang nur vir alte schock19/ an gelde
eynkomen hat. Mit dem Zcehen20 wann er wol geredt, konth
man Capellan und schulmeyster bestellen. Es stehet drauff/ das
eynen
newen Conventor/ der sich den Sommer herfuget/
ergehen möchte/ als mir vorm
Jar.21 Ich muste mher
winczerlons
geben/ dan mir Gott weyn bescheert. Auch verdarb mir das
heu/
das aber ich davon brachte/ kostet mich mher geldes/
danns wirdig war. Auch hat
M'a'g'iste'r
Conradus22 die ecker
außgekornet/ das zcufurchten ist/ wo eyn durre Jar eynfile/
das wenig getreidichs
wachsen wurde. dann wie wol ich uber
funffczigk fuder mistes hab lassen furen/
ist es doch nicht zcu
mercken. Der wegen besorg ich/ das sich eyn
Conventor/
mit eynem solchen schweren anfangk in schuld brengen möchte/
als
ich gethan/ Daczu must mir eyn Conventor/ meyne
art23 und weynbaw/ und besserung24 zcusampt der sahet bezcalen/
das alles auff eyn
eben gelt lauffet. Ich habe bereith gelt
außgeben/ drumb wil ichs vor wider nemen,
ehe ich abczihe.
Der Magister25 hat die pfar noch nicht genczlich ubergeben/ eyn
unordentlich
register gelassen/ und helt mich noch yn
anspruchen, wie e'uer' f'urstlich' g'naden' auß
seyner Supplication vernomen
haben.26 Steht mir seyner halben auch nicht
zcuthun, das
ich von dannen/ one rechtlichen vertrag wende. Der halben
E'uer' f'urstlich' g'naden'
ich underteniglich bith/ das ich vor allem/ meynes
verdinstes versichert/ mit
M'a'g'ist'ro Conrado
enthscheiden, und
mir gnugsamer abtrag/ und erstattung/ vor meyne artt/
weynbaw/ sahet/ Und besserung geben werde/ ehe ich zcu
weichen
gedrungen.Szo aber e'uer' f'urstlich' g'naden' das
mißlich eyn-
komen des
sommers ermessen27/ und zcu
herczen nemen wollten/
das e'uer' f'urstlich' g'naden' nachreden drauß
erwachsen mochten, wo ich ßo
5r ploczlich von hynnen und vom Landvolck genomen wurde,
das auß vil
enden hie her zcur predigt leufft.28wolt ich den
sommerlang bleiben
und meyne angefangene lectionen, nemblich
der Apostolischen geschichten
teglich, und des Evangelii Joannis
am feyertag volenden29/ mitler Zceit möcht
man, uff eynen
Conventor dencken/ der die art ecker30 uff den wintter arbeitten
liese. Wolten e'uer' f'urstlich'
g'naden' meyn arbeithen ansehen Und durch
f'urstlich'
bevelh verschaffen lassen, das mich die habhafftige des Adels
und andere
zcaleten31/ ich nemes mit
grosser danckbarkeith an,
den ich hab zcugepust reh.32 Bith e'uer' f'urstlich' g'naden' gnedige anthwort,
wens
e'uer' f'urstlich'
g'naden' gelegen. E'uer' f'urstlich' g'naden' mit allem vermogen zcu
dynen
bin ich willig, schuldig, und alczeit bereith Datum Orlamunde
Dinstags nach Jubilate.33 Anno xv. xxiiii.
Beilage 1: Rat und Gemeinde von Orlamünde und die Gemeinden Dienstädt, Bucha, Zeutsch und Freienorla an Herzog Johann von Sachsen, Orlamünde, 1524, 3. Mai
6r
schuldige dinste zcuvorn/ Gnediger furst und her
/ Es ist
vor uns ruchtbar34
worden/ als wolten uns das Capittell/ sampt
der loblichen universitet zcu wittenbergAndream Karlstadunsern
pastor und hirten/ der uns von Gott zcugeschickt/35 widerumb
enthziehen und enthwenden36/ welchs uns zcu eyner wichtigen be-
schwerungen gedeyen
wolt/ nemblich/ das wirc mit
göttlicher
weyßheit/ warheit und gerechtikeith/ hirnach wir eyne lange
Zceit
durstig37 und eynbrunstig38 gewest39/ noch nicht gnugsam/
Eusserlich/
gestetigt40 noch underweist
seyn. Szo wissen wir
(wie es dan am tag ist) das e'uer' f'urstlich' g'naden'/ dem
evangelio und warheit
Gottis/ mit hochem vleiß/ gancz hiezigk und begirig/
nachtrachten,
und gevolgig seyn. E'uer' f'urstlich' G'naden' wollen sich umb solcher
war-
heit willen/ den heilligen Sant Pauln/ durch unser under-
thenig bitthen/ bewegen
lassen. szo er von der erwelung eynes
pastors geschriben und gelernet hat41/ das eyne iczliche
gemeyne/
eynend pastor und
hirtten/ die waren reden gottis dem volck
furzulegen/ der eynes guthen lebens/ und
vol heiliges geistes
ist/ zcu erwelen hat. Szo
kisen und erwelen wir/ gedachten
Karlstad/ welcher uns sunst zcuvor durch
Gott gegeben42/ vor e'uer' f'urstliche'
g'naden'
und meniglichen43/ alle semptlich und eyn ietczlicher in sunder-
heit/ uns zcu eynem pastor und warhafftigen hirtten/ die
weil wir/ alles/ ane44 mangel/ was Paulus von
eynem
solchen gelernt45/
yn yhm befinden und nicht anders spuren
kinnen.46Des
verhoffens e'uer' f'urstlich'
g'naden' werden gedachtem Capittell
und universitet wittenbergk mit nichte gestatten/
uns eynen solchen
ordentlichen erwelten
hirtthen von Goth und den menschen/
hynwegk zcunhemen. Die weil
sie47 mit hochgelarten und
gelar-
ten leuthen (Gott hab lob) selbst gnugsam versorget/
und
keynen mangel haben. Mit ganczem vertrauen/ wen
wir den allerhochsten
gelartten/ szoe yn eueren
f'urstlich' g'naden' loblicher
universitet wittenbergk geseyn möchte/ zcu uns
hirauß zcukomen
disser gestalt erweleten/ e'uer' f'urstlich' g'naden' wurden uns den nicht
versagen/
und weniger den/ szo schon iczt bey uns ist48/ von uns hinwegk
kommen lassen/ E'uer' F'urstlich'
G'naden' wollen uns nachmals/ unsers
vorbittens49/ unsers vertrauens/ und sunderlich
gotlicher erwelung
gnissen lassen etc. Das wollen wir alle semptlich und eyn
iczlicher in sunderheit umb e'uer'
f'urstlich' g'naden'/ alczeit zcu tag und nacht/
gancz
underthenig/ mit schuldigen dinsten leibs und guths
vergleichen. Bitthen e'uer' f'urstlich'
g'naden' bey dissem bothen/ gnedige
6v anthwort/ Zcu Dinstags nach walpurgis Anno
xv. und Im xxiiiif
underthenige
Beilage 2: Rat und Gemeinde von Orlamünde und die Gemeinden Dienstädt, Bucha, Zeutsch und Freienorla Universität und Stiftskapitel Wittenberg, Orlamünde, 1524, 12. Mai
21v
hochgelarten Capittel unnd Uni-
versitett zu wittenbergk unsern
gunstigenn herenn
10r
Unsere willige Dinste/ Erwurdige/ Achtbare
und hochgelarthe/ gunstige lieben
hern. Seyntemall
Doctor Andreas
Karlstad/ uns/ das wort Gottis getreulich
zcu predigen/ sonder zcweiffell
auß Göttlicher gnediger versehung
zcugeschickt,50 und wir solche gnadreiche gotliche gabe/ mit dem
umbligenden
landvolck51/ zcu
Gottlicher ehre/ und unserer selen
heilwertikeith52/ gereichen/ und nicht wenig
erschißlich/ erkennen
und yn Gott hoch erfreuet. doch als balde wir ver-
nommen/ das obbemelter D'octor' Karlstad/ sich/ uff e'uer' w'ürden'
ansinnen
widerumb kegen wittenbergk sold/
zculesen/ verfugen.53 unnd
ehr
auch/ uff solch e'uer' w'ürden' anregen (szo es gefuglich geschen
möcht)
geneigt.54 Sind wir
mit der umbwonenden landschafft55
yn grossem bekommern enthseczt/ Haben vorgemelten
D'octor' Karlstad/ auß bruderlicher liebe/ uff
lenger zceith/ bey
Uns/ mit angefangner Gottlicher unterrichtung zcu
verharren/
bitlich ersucht. Aber ehr hat uns dar uber sicher vertros-
tung56/ nicht
zcugesagt. Ist die landschafft neben uns
auß Cristlichem bewegen/ eynmutig radts
geworden/ und
hat vilgedachten Doctor/ zcum pastor oder prediger uff
lenger zceit bey uns zcu bleiben/
erwelt und nominirt
haben auch solche unsere cristliche nominacion unserem
lan-
dsfursten und hern/ hern Johans herczog zcu Sachsen etc.
unserm gnedigen
herrnn, durch schrifft/ wie ihr yn
eyngeleibter Copien vernemen werdet/ eröffnet/
und zcube-
krefftigen bithlich und underthenig angesunnen.57
Dar-
uff wir s'einer' f'ürstlich' g'naden' gnedige schrifftliche
anthwort/ wie auch
hir neben yn eyngelegter Copien bemeldet ist/ enthpfangen58
Als solten wir e'uer' w'ürden' unser Cristlich
guthmeynen59/ entdecken/
des wir dan/ mit mehrer sicherer verhoffnung/ erfreuet.
sinthemall e'uer'
w'ürden' yn disser sachen (wie es weltruchtig60 ist)
hochwissen tragt/ auch durch unsere
gnedigsten und
gnedigen hern61/ mit furstlichem solde vielen under euch/
Göttlich zcu leren/
predigen/ lesen und schreiben/ erwelet
und
verordnet〈.〉62 Auß solcher evangelischer underrichtung/
sind wir unser Cristlich
furnhemen zcu Gottlicher ehre/
und menschlicher heilvertikeith63/ als gotlichen lerern
und
hochverstendigen/ zcuentdecken/ herczhafftiger worden
yn ungezcweiffelter
Zcuversicht e'uer' w'ürden' werden auß cristlicher
10v liebe bewegen/ was nuczbarkeith unserer selen64 (wie
ir zcu bedencken verpflicht) erwachsten
möchte/ szo unser
cristlich furnhemen65 bekrefftigt. Widerumb auch
mercklich
uffrur under dem Cristlichen volck und evangelischen
feinden zcu
befurchten/ szo angefangne Gottliche lehre durch
D'octor' Karlstad/ welches das volck iczt
gewonet/ leichtlich und
uff kurcze zceit sold wider enthwonen.66 Furderlich auch/
dasg wir eczlich vil Jar bey uns haben
Conventores
erduldet/ welche/ der meherer taill zcu yhrem leiblichen
nucz uber
auß vil vleissiger/ dan nach unserer selikeith
getrachtet.67Bittend der halben
e'uer' w'ürden' wolten unser
not68 cristlich (als wir uns zcu euch getreulich
versehen)
beherczigen/ und uns von bestimpter erwelung/ unnd
nominacion
sampt der hochberumpten und loblichenn
universitet/ nicht enthseczen/ sondern mher
bekrefftigen/
und kegen unserm gnedigsten und gnedigen herrn,
gunstige
verfugere69/ erscheynen/
das wollen wir mit
allen pflichtschuldigen Dinsten mher dan willig umb
e'uer' w'ürden' alczeith danckbarlich verschulden. Bithen hirmit
e'uer' w'ürden' schrifftliche gunstwillige anthwort/ Datum
Dornst〈ag〉
oder am achten tag der himelfart Christi Anno
xv. unnd ym xxiiiih
KGK 255
Einleitung
