A1r
Antwort Andres Bodenstein von Ca-
rolstad Doctor:
geweicht
wasser belangend:
Wider einen bru-
der Johan.
Fritz-
hans
genant: holtzuger ordens.
Wittemberg.
Im Jar M. D.
Xxi.
A2rDem Ersamen unnd fursichtigenWolff Gorteyler1 in S. Joachims talh/ wunsch ich
A'ndreas' B'odenstein' C'arolstadt' D'octor' frid.
¶ Ich hab eynsz der guthe/ vonn bruder Fran-
ciscus Seyler2
parfuszer holtzuher ordens/ lieber freund〈/〉
zulernen gefragt/ wu doch der Ablas in der schrifft ge-
grund/ den er szo gotlich thet achten3/ Darauff hat ehr
mich honlich
widerumb gefragt/ weil ich nichts glaub
dan das in der Biblien
geschrieben/ so sol ich yhm an-
tzeygen/ wu von
geweychtem wasser und saltz geschrie-
ben sey4/ das hab ich meynes/ und
aller vorstendiger be-
dunckes wol gethan/ und etzliche
schrifften/ die wasser/
betrubnis und leyden/
heyssen〈/〉 furgewend.5
Nun kumpt
mir ein seltzamer
schreyber zuhanden6/
der sich Johan.
fritzhans nennet7/ und wolt gerne heulen/ wan yhm ei-
ner
sein haut balget. Wie wol ich nit gewist hab/ ab ei-
ner ein solchen namenn erticht hat/ aber nit8/ Jedoch
nichts dester
minder/ bald angefangen zuschreybenn/
desselben Fritzhanszen plindheit offenbar
zumachena/
damit ich den leyhen dienen/ und die frumen Christen
bauen und
auffrichten muge9/ und
hab gedacht/ ich wollb
auff bruder Fritzhansen/ unnutze vorred10/ und auff sein
scheldwort nicht antworten/ unnd
allein den winckel
treffen/ darin der hundt gepunnen stehet.11 Unnd sag zu
orsten/ das der selbe Fritzhansz/ sich ubel furgesehenn/
Dan er etliche schrifften
einfuert/ das/ das geweygt wa-
sser/ in der schrifft/
heylsame weyszheit/ volck/ und gnad
gottis bedeut/ wie er dan das mit
schrifften gerne hette
beweyszet/ aber er hat sich nicht wol bedacht/
das be-
weysze ich alszo/ Das Fritzhans wider bruder Seyler
und nit wider mich schreybet/
dan über mein antzeyg/
das wasser in der schrifft gegrund/ brenget er
auch/ sey-
A2v nes bedunckens/ andere wasser/ unnd ruret12 die grosse
blindheit/ welche der Seyler
in der schrifft hat. Dar-
umb wer mirs genug/ das ich
saget/ danck hab lieber
Fritzhans/ dastu mir
hilffest widder deinen knotigen13
Seyler/ der fragen dorfft/
ap das geweicht wasser in der
schrifft gefasset und bewert.14 Also lieber Fritz hastu dein
schreyben auff mich gericht/ und
deinen Seyler
nider-
geschossen.
Damit aber du bey dir nit grosz werden mugest/ und
vielleicht vor
grosser kunst bersten/ wil ich dein eingefur-
te
schrifft handeln/ unnd wil an15 mein glosz/ ausz hey-
liger schrifft
zeygen/ das der arm bruder nit weysz/ wu
mit er umbgaht.
Er zeucht ein schrifft ausz dem buch Ecclesiastici/ nem-
lich/ Er hat den gerechten/ mit dem wasser/ heylsamer weisz-
heitEccle. xv.
getrencket.16 Mit
diesser Schrifft/ wil der gut betler17
be-
schliessen/ das wasser in der schrifft (welches
durch gewei-
cht wasser eusserlich angetzeigt) heylsame
weiyszheit sey/
gleich ap/ heylsame weyszheit/ nit in dem wasser
begri-
ffen/ davon ich geschrieben. Hoer mein hansz/ unnd
sich
uber〈/〉 sich in deinen text/ unnd ercleer schrifft
durch
schrifft/ szo wurstu finden/ das betrubnisz unnd leyden
in
glauben unnd hoffenung zu got/ ein heylsame weysz-
heit
ist. Dann/ spricht nit Esaias/
umbtreybenn unnd
Esaie. xxviii.vexieren18 unnd verfolgen gibt ein verstand? Esa.
xxviii.19
Hie. xxxi〈.〉und Hieremias am .xxxi. Er hat mich
gecasteyhet od-
der geengstiget/ und bin gelart
worden.20 unnd Moyses
Deut. viii〈.〉Deut. viii. Er
hat dich gefuret durch wustung und ver-
sucht/ und
gepeyniget/ auff das offenbar wurt/ wastu
in deinem hertzen handelst/
Er hat dich mit hunger ge-
peyniget/ und himel brot
geben/ das er dich weyszet und
lernet/ das der mensch in dem wort
gottis leben thut.21
Horestu nun wie die schrifft clar auszsaget/ das wir in
A3r leyden/ wasser heylsamer weiszheit einnehmen/ wie wir
gelart werden/ und lernen uns selber erkennen? Ach het-
testu dein schrifft recht betracht/ szo mugestu wol ver-
standen habenn was gesaget ist. Er hat yhn mit
brot
des leben und verstantnis gespeyset/ und mit wasser heil-
samer weyszheit getrencket22/ das ist/ Er hat yhm hun-
ger und durst mit dem wort gottis gestielt und
geloschet/
dasselbe leert dich (szo du leeszen woldest) wie du ge-
hort/ das/ das brot und wasser/ gottlicher
weiszheit/ in
Hie. ixc
anfechten wol gelernet wurt. dan Hieremias .ix.
spricht/
Das ist die weyszheit und kunst (der sich einer darff be-
rumen) wissenn/ das got der ist/ dero
barmhertzickeit
und gerechtickeit ym menschen wircket.23 Zu disser schrifft
Deu.viii.setz Moysen/ dero gesagt/ Wan dich got auff das hert-
teste und hochste gepeyniget hat/ dan ist er dir barmher-
Das ist heylsam
wasser.tzig worden. Auff dastu nit sagen durffest/ oder
geden-
cken in deinem hertzen/ disse sterck/
odder meine hand
hat mir das oder das gemacht/ sunder du wurdest
dei-
nes hern gedencken/ der dir krafft und
werck gegeben.24
Das lernen die jene/ szo got quelet und kranck macht/
das sie ausz
freyhem willen unnd eygen krefften nicht
mugen wircken/ unnd das sie
durch eygen krefften/ zu
keyner gerechtickeit kummen/ sonder das yhn
got allein
eingiebet gutter/ die sie zu der selickeit brengenn.
Nach-
dem Christus zu Paulo〈/〉 der vom Teuffel kranck unnd
ii. Cor. xii.unvermugen gemacht wart/ gesagt/
Mein gnad/ ist dir
genug/ dan mein gnad wurt in kranckheit/ in
unvermu-
genheit deiner krefften/
volkummenn.25 Ausz
der kunst/
kumpt man auch in verachtung unnd maledeyung un-
Hie. xvii.ser eygen
krefftenn/ unnd lernet den spruch Hieremie/
Vormaledeyhetd ist der/ dero in menschen/
trost odder
hoffenung setzet26/ Das ist einn recht heylsame weysz-
heit/ die yn umbtreyben/ wie obertzelt/ gelernet wurt.
A3v
Hiere. ii.Derhalben saget Hieremias an stat gottis/ Ich hab
sie umb sunst
gestrafft und geschlagen/ dan sie wollenn
mein heylsame weyszheit nit
einnehmen.27 Alszo
horestu
das got derwegen mit hunger/ durst/ leyden/ und betrub-
nisz verfolget/ das die betrubten yhr eygen
gebrechen er-
kennen und zu gottis hulff schreyen
sollen. Als geschrie-
ben/psal.
c.xix. Ich hab zu dem hern geschrihen/ wan ich gepey-
niget wurdt. Psal. c.xix28 unnd psal. xvii. In meiner umb-
treybungpsal. xvii. unnd
elent hab ich zu got gerufft/ unnd er hat
mich erhort.29 Das ist ein heilsame
kunst in uns vertzwey-
feln/ und allein got/ als einen
helffer/ ansehen.
Bruder Fritzhans brenget
auch ein ander wasser/
Apo. xvii.ausz dem buch Apocalypsis/ des
Theologen/ ym .xvii.
capittel/ do geschrieben/ Wasser szo du gesehen
hast/ seint
viel volcker/ und heyden/ und zungen etc.30 Alhie (wan ich
lust het dich mit geweychtem wasser zu sprengen) wolt
ich sagen.31 Wasser darauff das
hurisch weyb/ die voller
vermaledeyung gottis was/ und het ein
drinckvasz vol
unreynickeit und grauhen und uberflughung32/ seint An-
nas/ Cayphas/ unnd etzliche parfueszer
holtzuger/ die
gotliche schrifft schalcklich geprauchen/ unnd
betriegen
die Christen mit Ablasz/ unnd mit yhren schieszkern33〈/〉
aber ich wil mir abbrechen/ und gesagt haben
das sol-
che wasser zu vorfolgung gehoren/ und seint
die wasser/
die mit yhren zungen34 in die seel brechen.
Bruder Fritzhans kummet auch
mit einem andern
wasser/ nach seiner vernunfft und beduncken. Nemlich
Johan. iiii〈.〉davon Christus
Johan. iiii. geredt/ welcher von dem
wasser trincket/ das ich yhm geben
werd/ der wurt nit
in ewickeit durstenn/ das wasser/ das ich yhm
gebenn
werd/ sol yhm ein born werden/ dero springet und quillet
zu
dem ewigen leben.35
Do spricht der Fritz/ das wasser
ist die
gnad gottis/ secundum Chrysostomum.36
A4r
Lieber Fritz beweysz mir das/ durch
schrifft/ nit
das ich leuchnene/ das das wasser von gottis gnaden kum-
me/ dan ich weysz wol/ das der uns heylig macht/ und
Heb. ii.der geheyligt ist/ ausz und von einem
got seint/ Hebreos.
i. Cori. xi.ii.37 Dann alle ding seint ausz got. i.
Corint. xi.38 unnd wir
i. Cor. 〈i〉ii.seint Christi/
und Christus ist gottis. i. Corint. 〈i〉ii.39 das
ist
offentlich/ das got allein durch Christum/ alle sein
i. Cor. xii.gaben in seinen erwelten wircket. i.
Corint. xii.40 szo
musz
er auch (das wasser wircken/ das zu dem ewigen leben
auffquillet) wircken. Wer ist nun das springende wa-
sser?i. Corint. x. lasz dirsz Paulum sagen. i. Corint. x. Sie
habenn
alle von dem geistlichen felsz (der yhn nachfolget) ge-
trunckenn/ Christus ist der feelsz.41 Horestu nunn/ das
Christus das wasser ist/ von welchem alle glaubige vet-
ter haben getruncken? Und so du noch starren42 wilt/ szo
hoer
Christum selber (von dem der prophet David
ge-
schriebenpsal. xxi.
psal. xxi.) sagende/ Ich bin auszgegossen wie
wasser/43 alle die dasselb wasser
versuchen/ die horen auff
zu dorsten/ sie seynt nit mer noch44 zeitlichenn
vorgenckli-
chen gutter sorgfeltig/ ya sie
schuten alle yhr hulff in die
dorfftige menschen/ alszo stet yhre sorg/
begird/ lieb und
hoffnung/ yn und zu got. Christus der spricht auch/
Wel-
chenJohan.
vii. durstet/ der kum zu mir.45 Darausz erfolget/ das
Christus auch wasser ist/
das alle durstige settiget/ das
kannstu unnd kein Christ leugnen/ wie
wol Chrysosto-
mus und Augustinus ein yglicher in seinem geist lernen.46
Nun die weil
Christus das wasser ist/ und ist offenbar
das uns Christus mit leyden/
und betrubnisz vorgegan-
gen/ auff das wir seinen
fuesztapfeln nachfolgtenn. i.
i. Pet. ii.Pet. ii.47 das ist/ das wir yhm durch viel leyden
und an-
fechten solten und musten zu dem reich der
hymeln nach-
gehenAct.
xiiii. Actuum. xiiii48. Szo horestu Fritzhans/ das wasser
das uns
Christus gibt/ er selber ist/ und durch leyden
A4v vorfleusset/ wie kanstu dan dich/ als einn Theologus
vorwundern/ das ich anfechten und betrubnisz in glau-
ben gelieden/ wasser der schrifft heisz/ und sag/ das durch
geweicht wasser ist bedeut.
Ich wil dir wol ein hohers sagen/ das Christus ist
Hebre. ii.volkummen durch leyden gemacht/ und
das er darumb
ein furst ist aller seligwirdiger brudern/ das yhn
got
durch leyden volendet hat/ als ad Hebreos .ii. geschrie-
ben.49 Dieweil nun lieber Fritz/ Christus/
nit volkum-
en an50 leyden gewest/ wie bistu dan szo keck/ und mut-
willig/ dastu/ das wasser (welches zu ewigem
lebenn
auffquielt) wilt sonder51 leyden ewiglich trinckenn? wie
bistu szo toll
und nerrisch/ dastu verfolgung zu der gnad
Heb. xii.gottis nit wilt setzen/ weistu nit? das
ad Hebre. xii. ge-
schrieben/Hiere. treno. iii. welchen got liebet/ den strafft er/ den
geysselt
er?52
Und Hieremias sagt/ got wurffet nyder/
auff das
Job. v.er auffheb.53 und Job .v. spricht/ Got verwundet das
er
gesunt mug machen.54 Darumb beclagt sich got durch
Esa. i.Esaiam c. i. das/ wiewol er viel
gesteuppet und geschla-
gen het/ dannest bessert sich
keiner von seinem streychen.
Derwegen spricht er/ wu mit/ und in
welcher rudten
sol ich sie schlahen?55 Du meinst lieberf
Fritz du habest
meiner
gelacht/ szo weistu nit/ dastu der gnad gottis ge-
lachtPro. iii. hast/ Dan
Proverbiorumg .iii.
stet geschrieben/ Du
solt die zucht und straffung gottis nit vorachten
oder
verspotten. Dan got schleget ausz lieb/ er schlegt wie ein
frumer vatter/ der frume son zihen wil.56 Ja du must be-
kennen/ das alle
die jene/ szo an57
leyden und an betrub-
niszHeb.
xii. leben/ huren kinder seint/ Hebre. xii.58 Wu du nu/ und
deine holtzschuger ann59 vorfolgung seyt/ szo seyt yhr ge-
wisz kein recht
kinder gottis. Dartzu setze ich/ das bru-
derlich lieb
(die auch gotlich ist) sunder60 leyden seltenn
unnd wenig erfult wurt. Dan wir Christen/
seint einn
B1r gantzer leyp/ und vil glieder/ zwuschen den selben gli-
dern seint vil bedrubten/ krancke/ elende und
bescheemp-
te glieder/ Weil aber eines gliedes
kranckheit denn an-
derni. Corin.
xii. wee thuet/ als wan der fuesz schwach ist/ szo hat
das
heubt schmertzen/ So sollen die rechte glieder/ das
leyden/ das
yndert61 ein
Christ leydet odder treget/ auch
auff sich legen/ und fur eygen
schmertzen unnd trubsal
achten unnd tragen. i. Corint. xii.62 Ich geschweyg/ das
des ausserlichen menschen heyligkeit/ allein odder sun-
derlich/ ym leyden stehet unnd volbracht wurt/ als ge-
schrieben/ii. Co.
i〈i〉ii. Corrumpitur autem homo etc. ii.
Corint. iiii.
der alt mensch wurt teglich tzerbrochen etc.63 Darausz fol-
get/ das gnad und lieb gottis sunder
umbtreybenh/
qual/
trubsal/ und angst/ und der gleichen nit volkummen
ist/ und
das sich der arm bruder Fritz vor solt bedacht
haben/ ap er/ den kern/ der schrifft kond beissen. Er wolt
wol gern
beyssen/ szo ist yhm das brot Christi zuhart/
darumb sol er ein weil/
bisz er gelerter wurt/ ein grossen
weychen paurs brey64 kosten und beyssen/ das
wer yhm
noter und den Christen viel nutzer/ dan sich szo durstig-
lich65 mit unbeschlagen holtzschugen auff das glad eysz
zulegen.
Er furt noch ein schrifft zumarck66/ das wasser sey der
heylig geyst/ liber grauer gesel/ wie kan
dasselbige wa-
sser/ apsz gleich szo were/ wie du
gedenckest/ an67
wasser
des leyden geseinn? weistu nit/ das der heylig geist/ die
mat. xxvi.iunger zuleyden bereit und starck
gemacht? Petrus
leug-
netAct. ii. iii.
iiii. Christum von wegen einer mayd/68 aber do er vonn
dem heyligen geyst
angetzunt wasz/ do forcht ehr denn
grossen hauffen nit der grauen
gleyszner.69 Was
sol ich
mit dir groben holtz
umbgehen/ wie du gelernet hast/
szo singestu.
Nach diessen schrifften darff hans bruder
Fritz von
B1v der warheit geweichtes wasser schreyben/ das geweicht
wasser reynickeit der seel/ bedeut/ et cetera. Ach du ar-
mer
Caiphas/ du must je die warheit in
ungutickeit und
plindheit mit lugen vermengen/ du sagest/ das
geweicht
wasser bedeut reynickeit70/ und wilt leyden hyn werffen/
Lieber gesel was
reyniget die seel mehr/ dan angst/ be-
trubniszCanti. i. und elend? Spricht nit die schrifft/
Fasiculusi
mirrhe dilectus meus?71 Mein lieber ist ein pundlin mir-
retigs/Psal. l. warumb? mirrettig der beysset und
reyniget/
das auch der hisop72/ und ein korn senffes (dem Christus
Mar. iiii.den glauben vergleicht) bedeut73/ stehet nit geschriebenn
Eccle. ii.Ecclesiast. ii. ym tag des leydens
unnd vorsuchens vor-
gibtTobie.
iii〈.〉 got sunden?74 Was dempffet den alten Adam und
concupiscentiam mehr/ dan
anfechte unnd elend?75 Ausz
Bern'ardus'.grosser heylickeit und
reynickeit (wie du davon schrey-
best) nympt mancher
ursach zu hoffart76/
derwegen wan
du reynickeit wol wilt behalten/ szo mustu wol nyder
Job .ix.gedruckt werden/ als Job sagt ix. Und
wan ich gleich
gerecht bin/ szo darff ich doch meinen kopff nit
auffhe-
ben/ derhalben/ das ich mit anfechten
und betrubnusz
und elend gesettiget bin/77 szo spricht Paulus/ Ich casti-
giri. Cor. ix. meinenn leyp. i. Corint. ix.78 darumb weistu nit
was
du schreybest/ dir gebricht ein scharff rudten/ Ad He-
bre.Heb. xii. xii.
habenn wir/ das got darumb castigiert79/ das er
heylickeit eingeben mug.80
Dastu aber furt sagest/ das geweicht wasser sol krafft
ausz dem plut
Christi haben.81 Ach
lieber armer groher82
Fritz/ wie bistu
doch szo unchristlich/ Ich frage was
das plut Christi Pilatum/ Annam/
Caipham
Hero-
dem/ die
galgenritter83
unnd viel hotzschuger hat gehol-
ffen? Weistu nit du
grober dolper84/ das
Christus gesa-
get/Johan.
iii. welcher nit glaubet der ist vordampt/85 ap er Christo
ym fleisch unnd plut
stund? weistu abermals nit/ das
B2r Christus niemant wil helffen er glaub dan? Derhalben
er
offt gesagt/ Euch geschehe wie yhr gleubt〈/〉 Matth.
ix.86
Christus spricht caro〈/〉 das
fleisch〈/〉 taug nicht/ der geist ist
dero
lebendig macht〈/〉 Johan. vi.87 und Paulus/ Den un-
glaubigenHebr. iiii. seint alle ding unnutz/88 und gleich der die Epi-
stel ad Hebreos geschriebenn89/ spricht/ am .iiii. cap.〈/〉
das
gotlich wort hat die ungleubigenn nit geholffenn/ dar-
umb/ das sie nit geglaubet habenn/90 szo hilffet das
blut
Christi auch nicht sonder91 glauben〈/〉 ferner ertzeyget der
Fritz sein kunst/ sagende/
das bocks plut bey den Ju-
den die unreynenn gereyniget
hab/ warumb solt dan/
das geweicht wasser auch nit reyn machen? Ach
liber
bock/ du bist doch je ein gleyszner und boszer Jud/ und
ist
je schad/ das sich ein Christ mit dir sol stossen unnd
verwerren92. Hettestu die warheit
gemeynt/ szo hette dir
die Epistel zu den Hebreyern konnen helffen/
unnd in
Hebre. ix.warhafftigen Christlichen verstand
fueren/ Hastu nit
in dem .ix. capittel ad Hebre. (dastu mir
furgelegt93) ge-
leszen/ das alle
Judische zeychen/ als bocks blut/ hy-
sop/ item gaben
unnd opffer/ szo den Juden (purifica-
tion und
reynmachung zu bekumen) auff gelegt seint/
das gewissen nit haben
konnen reyn machen/ und das
allein purificationes/ das ist/ reynmachung
des fleisch
gewest seint/ sie haben allein den leyp und fleisch
gerey-
niget.94 Hab ich nit geschriebenn/ das geweicht
wasser
sonder95
glaubenn/ nicht besser ist/ dann des baders
wasser?96 unnd alszo bekandt/ das
das eusserlich wasser
das fleisch reyn macht/ wie vor zeitten/ blut und
wasser
die Juden leyplich reyn gewaschen haben. Es seint leyp-
lich interdicta und verbot gewest/ szo den Juden
gege-
ben sich von dem tempel zuenthalten/
dasselb fleischlich
vermeyden/ haben obgedachte zeychen
abgenummen.
Aber lieber groher97/ wir Christen haben keinen Judi-
B2v schen und affterglaubischen glauben/ wie du unnd
etli-
cheJohan.
iiii〈.〉 holtzschuger haben/ und den
einfeltigen einplosent〈/〉
Got ist ein geist/
derhalben eren wir yhn ym geyst und
warheit98/ nit im fleisch und schadwen99/ wir haltenn uns
nit an schadwen/ wie du ketzerischer
keeszprediger100leren
thuest/ Wir wissen das
die Juden geyrret haben/ nach
dem sie Moyses/ David
Esaias/ Ezechiel/ und Chri-
stus
gestrafft haben/ und wir folgen deinen Judischen
und ketzerischen
wortten nicht. Weistu nit wie David
Psal. l.gesacht. Ichj hette dir opffer gebrant und
geopffert/ szo
mercket ich dastu keinen lust hast in leyplichen opffern.
Esa. i.Ein recht opffer gottis ist ein reuhig
hertz/ und ein be-
drengter geist/ den wurestu o got
nit verachten.101
Ich
sage dir wie Esaias am .i. cap. das blut der bocken und
ochszen/ und schmer der feysten thier hab ich nicht be-
gert. Weer hat solch opffer und reinmachung von euren
henden
gefodert? waschet und reyniget eur hertzen und
gedancken.102 Ach yhr
keeszpetler103
habet der Christenheit
Mat. xii.mehr schades gethan/ dan .iiii. tausent
Juden/ und seint
die rechte gleiszner/ die das mindest ym gesetz/ vor das
Osee. vi.hochste predigen. Got begert
barmhertzickeit nit solche
fleischliche opffer104 und reynmachung/ wie du von
bocksz-
blut und geweicht wasser
plerrest.105
Das ander gepler/ das bruder hans Fritz
geschrieben
ist nit wert das mansz handeln sol.106 Ich hab auch auff
die heilige
schrifften/ die er wider Christliche warheit
(von mir angetzeigt) fur
gewent107 allein
den Christen zu
gut geantwurt/ sonst wolte ich den groben Fritzen
dre-
scher108/ in ein scheun geweist haben. Er und
sein gleichen
wolten uns gern ein glauben/ durch den Donat109 unnd
Alexander110 einreden/ derhalben schemen sie sich
nit mit
menschen wortten an tag zukummen. Ich wil aber mit
yhm
(ist anders yndert111 ein groher
sacktrager/ der bruder
B3r
Joan. Fritzhans
genant112) und mit allen seinen brudern
hoch unnd nyder ausz der
heyligen schrifft mich gerne
uber werffen und fechten/ und die selbe
gern reyniglich
und unvermuscht/ nach meinem armen unnd geringen
verstand. handeln. Ich acht nit grosz wasz Alexander
und andere Bepst geleert haben/
das wort gottis pind
mich und ist mir lieb/ das auch alle Bepst fur die
stirn
stossen/ und niderwerffen kan/ ausz dem selben ist unser
glauben. und ausz keinem andern/ nach dem Paulus ad
Roma. x.Roma. x. geschrieben. Der glaub ist aus
dem gehor/ und
gehor ausz dem wort gottis113/ das wort gottis ist das wort
des glaubens/ dem selbenn sol man keinn menschlich
wort
vergleichen.
Das hab ich mein lieber gonner114 euch zuerkennen ge-
geben/
und hoff yhr werdet/ nach gehabten erkentnisz/
sprechen/ mein buchlin
von geweichtem wasser/ das ich
dem erbarn Henrich von kunritzs ym thal amptman115 zu
geschrieben hab (dem yhr
auch mein dienst wolt anbiet-
ten) sol wol vorteydigt
sein. Ich wil yhn auch gern sehen
oder horen/ der mirsz niderlegen kan/
doch lasz ich mich
gern unterweyszen/ unnd hab mit meynen
zuschreyben/
euch gethan116/ nit anders gesucht/ dan euch mein dienst
und
bereyten willen antzutzeygen/ Damit got befolen.
Datum Wittenberg/ am tag Severi117 ym xx. iar. Bit wol-
let
Cristoffel Quinque118
gegenschreyber119euren hern und
meinen gonner
grussen.
Mein gunstiger freund glibter Wolff/ ich hette wol
lust und willen/ kald wasser in
sietheysz oel/ oder holtz-
schuger/ zugiessen/ damit
ich sie recht prauschen macht
und auffspringen/ aber ich schon
etzlicher frumer vetter
parfuser ordens/ die wir gelibt120/ den selben zu eren/
hab
ich mich enthalten/ und den groben brudern/ Francis-
cus Seyler/
und Fritzhansen/ nit wie
sie vordient/ ge-
B3v antwurt. Nach
dem ich aber noch raum und feelt zu
schreyben121/ wil ich dem holtzschuger/ bruder
Fritzhan-
sen/ das zeychen hoher stecken/ damit ich yhm sein
fuesz-
eyszeni. von
den fuessen breng.122
Ich sage fur einen arti-
ckel/ das die gnad in dem gerechten menschen/ an123
ge-
drengii. unnd not
nit wircket. ii. Item das kein gotlich
werck/ sunder124 bitterkeit des
menschen volbracht wurt.
iii.iii. Item/ das das leben des geheyligten
menschen/ ley-
deni.
und betrubnisz selber ist.125
Den ersten artickel beweysz ich durch sanct Paulum
Ephe. ii.dero sagt/ Naturlich seint wir son des
zorn gottis unnd
des todes/ aber durch gnad seint wir behalten.126 Horestu
Fritz? das die natur
verderbet/ und gnad erloset? Hic
Ro. viii.scio quid Augusti'nus' dicit.127 Hoer Paulum mehr der spricht〈/〉
Begirde oder
weiszheit des fleisch ist zum tod/ Be-
girde des
geistes zu dem leben.128 Alszo streytet die natur
widder die gnad/ darausz leyden
auffstehen musz.
ii.Den ander artickel kan ich mit sanct Paul alszo
Gala. v.wappen129/ Flaisch und geist/ natur unnd gnad/
begeren
wider und gegen einander/ sie streytten und kempffen/
also
das yr nit alles kunt thun/ das yhr gern thet.130 Sich131
der geist wolt gerne wol thun/
szo wert sich das fleisch/
darausz kumbt betrubnisz. Lieber Fritz meynestu das
der geyst und fleisch solchen
streyt und widerwertickeit
an schmertzen/ an leyden/ und an creutz
haben? Hette
Paulus nit derhalben angst und wee
gehabt/ szo hette
Ro. vii.er je nit so vleissig hulff begert/ szo
er spricht/ wer wurt
mich von diessem leyp des todes frey
machen?132 Sanct
Jacobi .i.Jacob bekont (nach133 sanct Paul)
das unser concupiscentz
alletzeit sund gebiert/ unnd saget/ wan der
geist nit dar-
gegen fichtet und streyttet/ das die
sunde den tod machen
thuet. Er spricht/ Szo die sunde volkummenn wurt/
szo
gebierd sie den tod.134 Ich halte aber/ sie werde bald vol-
B4r kummen/ wan135 sie obsiget/ wan sie das felt behelt/ Das ge-
schicht/ wan der geist/ von seinem bitter
widerwillen/ und
von seinem herbenn vordriesz/ gegen der sunde/
abfeelt
odder absteelt/ szonder136 solchen vordriesz wurt kein gut
werck
volendet. Noch137
darff der arm/ elend/ unnd blosz
Fritzhans schreyben/ das
die werck und gnaden gottis/
sunder138 wasser des leydens angefangen und
geendet werden.139
iii. Der driet artickel ist durch sanct Job clar beweyset
Job. vii.140 dero gesagt/ Das leben des menschen ist die verschme -
hung. 141 Ist es die versuchung/ szo ist es nit an142 qual/ trub-
sal/ elend und leyden. wie darff dan das arm
zweyfussig
grohlein143 sagen/ das indert144 ein gut werck/ sunder betrubt-
nisz geschech/ das reynickeit/ das lieb/ lob/ gebet etc. an
leyden volfurt werd? und des wassers/ von dem ich ge-
schrieben/ frey sey?
Das hab ich kurtz zuhoren oder sehen was die gro-
hen
holtzuger vermugen/ und eur urteyl zuleyden145/ geschrie-
ben/
meinen gutten bereitten willen euch antzutzeygen.
KGK 172
Einleitung
