Nr. 135
Andreas Karlstadt und Martin Luther an Kurfürst Friedrich III. von Sachsen – Begleitschreiben
Wittenberg, 1519, 18. August

Einleitung

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Stefania Salvadori

1. Überlieferung

Handschrift:

[a:]FB Gotha, Chart. A 379, fol. 7r–v– Autograph.

[Digitalisat]

Editionen:

Literatur:

2. Inhalt und Entstehung

Nachdem Eck am 22. Juli seinen polemischen Bericht über die Leipziger Disputation an Friedrich III. gesandt und dabei das Verhalten und die Lehre der Wittenberger Theologen getadelt hatte1, reagierte Karlstadt einige Tage später, am 31. Juli, mit der Ankündigung einer gemeinsam mit Luther erarbeiteten, detaillierten Stellungnahme, die er dem Kurfürsten zukommen lassen würde.2 Das hier edierte, am 18. August gesendete Schreiben lag ebendieser Verantwortungsschrift der Wittenberger bei (hier: KGK 134). Die Wittenberger liessen dem Kurfürsten ihre Antwort noch am selben Tag durch Spalatin überbringen.3

Beide Theologen sichern dem Kurfürsten in ihrem jeweiligen Brief zu, auf Ecks Anschuldigungen bereits öffentlich reagiert zu haben. Sie verweisen auf einen veröffentlichten Druck, in dem jeder die Wahrheit erkennen könne.4 Es handelt sich dabei um die von Luther Mitte August verfassten Resolutionen super propositionibus Lipsiae disputatis, zusammen mit dem Widmungsbrief an Spalatin vom 10. August.5 Der Verweis auf diese lateinische Schrift – die hier als gemeinsame (und nicht nur Luthers) Antwort auf Ecks Attacken präsentiert wird – steht in direktem Zusammenhang mit der beigefügten Verantwortung, die in deutscher Sprache und, ähnlich wie die Resolutiones, hauptsächlich von Luther verfasst ist.6 Die Theologen formulieren ihre Verantwortung im Rahmen einer sehr viel breiter angelegten Verteidigungskampagne, die nicht nur in ihrem, sondern im Sinne der gesamten Wittenberger Fakultät geführt zu werden scheint.7 Die Erwähnung der Korrespondenten aus Nürnberg und Augsburg, die Luther und Karlstadt über Ecks öffentliche Angriffe informiert hatten8, zeigt schließlich, welche Rolle dem Netzwerk von Freunden und Anhängern um Luther und Karlstadt nach der Leipziger Disputation zukam, und inwieweit sich dessen Mitglieder in der sich polarisierenden Frontbildung engagiert hatten.9



1 Vgl. KGK 132 (▸Textstelle) und die Antwort Friedrichs III. an Eck vom 24. Juli in KGK 132 (▸Textstelle).
2 Vgl. KGK 132.
3 Vgl. Luther an Spalatin, 18. 8. 1519 (WA.B 1, 502–504 Nr. 194).
5 Siehe Resolutiones Lutherianae super propositionibus suis Lipsiae disputatis (WA 2, 391–435) und hier vor allem den Widmungsbrief an Spalatin (WA 2, 391–403).
6 Der Zusammenhang zwischen den Schriften wird auch im Brief Luthers an Spalatin vom 18. August thematisiert: »Reddidit enim nos Reverender pater vicarius [Johannes Staupitz] dubios, an isto quoque modo a nobis Eccio responderi voluerit princeps, an tantum latinis propositionum Resolutionibus [vgl. Anm. 5], in quod iam incumbimus. ideo utrunque praestamus.« (WA.B 1, 503,9–12 Nr. 194).
7 Vgl. Luther an Spalatin, 18. 8. 1519: »Unum spectat [Eck], si per phas und nephas possit Wittenberge nocere. Cui iam occurro et sycophantam istum cum suis mendaciis in publicum traham Deo propitio.« (WA.B 1, 503,21–23 Nr. 194).

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