Nr. 42
Bedenken Andreas Karlstadts über die Rechtsverhältnisse der Propstei am Wittenberger Allerheiligenstift

(verschollen)[1516, vor 23. August]

Referenztext

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Bearbeitet von Ulrich Bubenheimer und Martin Keßler

[58v] Außzug Doctor Karlstads bedenckens.1

[54r] Erstlich ist doctor Karlstats meynung. das dieweil die alt Probstey in die Dechaney verandert ist/ und ein gar Newe Probstey aufgericht/ demnach die New Probstey die alt gerechtickeit nicht mug habenn.

Zwm andern setzt er das durch die Concordata principum das ist durch der Fursten vertrag Bebstlicher Hailickeit die Versehung aller Obristena Prelaturn in stifftkyrchen seint vorbehalten. Welchs denn auchb eyn regel Bebstlicher Cantzelley also orden2/ Und die Fursten Tewtscher Nation also bewilligt haben. Derhalben auch was dawider geschee untuglich seye.

Wo nun die alt Probstey mit allen freyheiten und gerechtickeitenn solt verandert sein/ wie denn die Bull3 der Newen stifftung clerlich außdruckt. So must der Probst nicht allein die Prebend sonder auch die Privilegien von Bebstlicher heilickeit entfaen. oder aber aufs wenigst die Bestetigung nemen/ Dann in der stifftung der Newen Probstey ist ir keyn freyheit gegeben.

Auß welchem Doctor Karlstat. auch zceucht. zwm ersten das die Newe Probstey von Bebstlicher Heilickeit zw lehen rureth. Und zwm andern. das weil alle freyheiten [54v] mit der alten Probstey verandert und der Dechaney gegeben sey. das die regel der Bebstlichen Cantzelley cde triennali possessorec dem Probst unhulfflich sey. Dan wiewol Bebstliche heylickeit meynem Gnedigst'en' Herren die presentation/ und der Universitet die Nomination gegeben hab4/ so hab es doch der Babst nyemants zw nachteil verlihen. wie den alle verleyhung verstanden werden. Vil weniger hab der Babst im selbst zw schaden etwas verlihenn. Dann die ordenliche Lieb heb an ir selbst an.

So stee auch in der Bebstlichen Bullen die Clausel das solche Verleyhung ane imants nachteil gescheen sey.5 Und ab gleich die verlihen Presentation und erwelung crefftig seyn/ so wer im doch der Pabst die Institution nicht vergeben haben. Dan er hab die pfarren und lehen ane verletzung der Ordinacion eyngeleibt.6

Das sey auch durch das Ius Patronatus nicht aufgehoben. Dann die Tewtschen Fursten haben in berurte Concordata bewilligt. So sey auch vorberurter vorbehaltung keyn Patron außgeschlossen/

Darauf sich Doctor Karlstat allenthalben in die Rechte grundeth. und allegation7 fuereth.


a margin hinzugefügt verbessert für: vornemen
b margin hinzugefügt
c margin hinzugefügt

1 Der Dorsalvermerk Spalatins ist hier in Ermangelung einer anderen Überschrift vorangestellt.
2 ordnen.
3 Errichtungsbulle Julius’ II. vom 20. Juni 1507: »[…] Praeposituram dictae Ecclesiae Collegiatae in Decanatum pro uno Decano, qui ad instar aliarum Ecclesiarum Collegiatarum curam in divinis habeat, et Capitulo dictae Ecclesiae praesit: Ac aliam Praeprosituram […] sine tamen alicuius praeiudicio […] perpetuo erigimus […].« (Meisner, Jubilaeum, Appendix, 49).
4 Ebd., Appendix, 50f.
5 »sine tamen alicuijus praeiudicio« (s. Anm. 3).
6 Die Errichtungsbulle (s. Anm. 3) bestimmte, dass die Institution der vicarii perpetui durch diejenigen zu erfolgen habe, denen das Recht der Institution bislang zugestanden habe (ebd., Appendix, 48f.).
7 Anführung von Belegstellen (aus den Rechten).

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