Nr. 6
Christoph Scheurl an Andreas Karlstadt
Wittenberg, 1509, 19. Dezember

Einleitung

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Martin Keßler

1. Überlieferung

Handschrift:

Familienarchiv Scheurl, Fischbach bei Nürnberg, Cod. 306, fol. 394v–395r– Abschrift, nicht von Scheurls Hand.
Edition:

Literatur:

Die Edition basiert auf einem Digitalisat, in dem am inneren Rand von fol. 395r wiederholt einige Buchstaben nicht sichtbar sind. Die vom Editor ergänzten Buchstaben werden als Konjekturen gekennzeichnet. Das Original wurde nicht eingesehen. Der unbekannte Schreiber hat Scheurls Briefwechsel in ein Briefbuch eingetragen. Dabei hat er meistens die Adresse weggelassen, den jeweiligen Adressaten jedoch am Rand angegeben. Da die vorliegende Briefabschrift mit der Adresse beginnt, hat der Schreiber auf die zusätzliche Nennung des Adressaten am Rand verzichtet. Christoph Scheurl seinerseits hat in der Absicht, den Namen des Adressaten am Rand nachzutragen, irrtümlich einen falschen Adressaten neben dem Beginn unseres Briefes notiert: »[A]d magistrum Conradum Norim'bergensem'«.

2. Inhalt und Entstehung

Der Brief bezieht sich auf Scheurls Oratio […] attingens litterarum prestantiam1, die 1509 gedruckt wurde und in einem Anhang Karlstadts Preisgedicht auf Scheurl und Lukas Cranach bietet2 (KGK 005). Lukas Cranach d. Ä. gilt der ausführliche Widmungsbrief der Oratio3, der auf den 1. Oktober 1509 datiert4. Im zeitlichen Anschluss wurde die Drucklegung in Leipzig bei Martin Landsberg aufgenommen, deren Abschluss – ausweislich des Impressums – in den Dezember des Jahres 1509 fällt.5 Scheurls Schreiben meldet Karlstadt am 19. Dezember, dass die Buchdrucker letzte Hand an den Druck gelegt haben (»Oracioni mee […] librarii tandem ultimam manum imposuerunt«6). Scheurl bittet (»oratum«) Karlstadt um Lektüre des Textes und macht ihn auf eine vorteilhafte Erwähnung seiner Person im Zusammenhang der Wittenberger Kanoniker7 aufmerksam. Scheurl erwartet Karlstadts Urteil (»iudicium tuum«). Die Oratio erschien im Ganzen auf drei Bogen (A, B, C) zu je sechs Blättern. Die Hälfte des letzten Bogens stellt Preisgedichte auf Scheurl und Cranach zusammen, die jeweils den beiden gemeinsam gelten und von Christian Bayer, Richard Sbrulius, Karlstadt und Otto Beckmann stammen.8 Karlstadt wird Scheurls Rede in Wittenberg gehört und deshalb in seinem Preisgedicht Anspielungen darauf gemacht haben. Die der Drucklegung geltende Formulierung steht im Perfekt (»librarii […] ultimam manum imposuerunt«). Daraus ergibt sich, dass der Brief als Beilage den abgeschlossenen Druck der »Oratio« enthalten haben dürfte, womit das Schreiben insgesamt den Charakter eines Begleitbriefes annehmen würde.



2 Ebd., fol. C5r [Digitalisat].
3 Ebd., fol. A1r–A3v [Digitalisat].
4 Ebd., fol. A3v [Digitalisat]: »Kalendis Octobris Anno […] Millesimum quingentesimum«.
5 Für das Jahr 1509 s. das Titelblatt, ebd. [Digitalisat]; auch das Impressum ebd., fol. C6v [Digitalisat]: »mense Decembrio […] 1509«.
7 Scheurl, Oratio (1509), fol. B4v [Digitalisat]: »Qualem etiam nominavimus Andream Bodenstenum Carolstatinum/ virum latine/ grece et hebraice/ vehementer eruditum/ magnum philosophum/ maiorem theologum maximum Thomistam/ quod facile ostendunt monumenta sua/ que in laudem gymnasii nostri/ de intentionibus et formalitatibus Thomisticis edidit. et cum initium amicitie sit/ de altero bene loqui: et summa petat livor/ instar sumi/ non nisi in altum penetrantis: ipse qum sit Egregius/ alieni virtuti non invidet/ sed potius laudat. nemini detrahit/ Sed potius omnibus bene loquitur. unde passum omnes eum/ una mecum amant atque colunt/ quod si multos Carlostadios haberemus/ facile puto nos cum Parisiensibus manum posse conserere atque pedem conferre.« Für eine frühere Transkription des Auszuges s. Barge, Karlstadt 1, 28f. Anm. 95 [Digitalisat].

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