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        <title type="main">Andreas Karlstadt an Gregor Brück</title>
        <title type="short">Karlstadt an Brück</title>
        <title type="quote_title">Karlstadt an Brück</title>
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          <persName>Harald Bollbuck unter Verwendung von Vorarbeiten von Stefanie
            Fraedrich-Nowag</persName>
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          <persName>Jennifer Bunselmeier</persName>
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          <persName>Moritz Laeger</persName>
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        <publisher>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (<ptr type="link" target="http://www.hab.de"/>)</publisher>
        <date type="created" when="2025"/>
        <distributor>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</distributor>
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          <p>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (<ref type="copyright" target="http://diglib.hab.de/?link=012">copyright information</ref>)</p>
        </availability>
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        <bibl>
          <author>Andreas Karlstadt</author>
          <placeName>Kemberg</placeName>
          <date when="1528-08-12">1528, 12. August</date>
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      <p>Zeichen aus der Private Use Area entsprechen MUFI 3.0 (http://mufi.info)</p>
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        <p>
          <ref type="homepage" target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000216/start.htm">Kritische
            Gesamtausgabe der Schriften und Briefe Andreas Bodensteins von Karlstadt</ref>
        </p>
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        <div type="history_of_the_work">
          <head level="1">Überlieferung</head>
          <listBibl type="sigla">
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                <idno type="signatur">EGA, Reg.N, Nr. 623</idno>
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                  <idno type="signatur">a</idno>
                </altIdentifier>
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              <msContents>
                <msItem>
                  <locus>fol. 50<hi rend="super">r</hi>–59<hi rend="super">r</hi>
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                  <title/>
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              <physDesc>
                <p> Ein Autograph; gestempelte Blattnummerierung; ältere hsl. Zählung
                    <quote>51</quote>; Dorsalvermerk 50<hi rend="super">r</hi>
                  <quote>Anno 28. Carlstads schrifft an den Gregori brůcken, wieder D<ex>octor</ex>
                    Luthern, in Inigen sachen, das hochwirdige Sacrament belangendt.</quote>
                </p>
              </physDesc>
            </msDesc>
          </listBibl>
          <listBibl type="editions">
            <rs type="bibl" ref="#walch2_1986"> 15, 2478</rs>
            <rs type="bibl" ref="#labes_rechtfertigungsschrift_1864">, 99–112</rs>
            <rs type="bibl" ref="#enders_1867"> 6, 339–353 Nr. 1369</rs>
            <rs type="bibl" ref="#mentz_handschriften_1912">, XIV Nr. 13a</rs>
          </listBibl>
          <listBibl type="literature">
            <rs type="bibl" ref="#jaeger_carlstadt_1856">, 497–499</rs>
            <rs type="bibl" ref="#barge_karlstadt_1905"> 2, 389f. mit Anm. 157</rs>
            <rs type="bibl" ref="#wa_b"> 4, 361–363 Einleitung zu Nr. 1214</rs>
          </listBibl>
        </div>
        <div type="contents">
          <head level="1">Entstehung und Inhalt</head>
          <p>
                        <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> übersandte den vorliegenden
            Brief an den kursächsischen Kanzler <rs type="person" ref="#brueck_gregor">Gregor
              Brück</rs> zeitgleich mit einem Schreiben an <rs type="person" ref="#johann_i_sachsen">Kurfürst Johann</rs> (<ptr type="wdb" target="kgk_316_introduction.xml"/>). Themen
            sind erneut die Bitte um Anhörung in der Abendmahlsfrage, die fruchtlose Debatte mit <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> und das Ersuchen nach einer
            unparteiischen Beurteilung der unterschiedlichen Positionen. Immer wieder hofft er auf
            die Gunst am Hof. Am Ende sondiert <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> Möglichkeiten, seiner prekären Situation in <rs type="place" ref="#kemberg">Kemberg</rs> zu entkommen.</p>
          <p>Zu Beginn des Briefes schildert <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> noch einmal den gesamten Vorgang. Er sei vom kursächsischen Hauptmann
            und Amtmann (Landvogt) <rs type="person" ref="#metzsch_hans">Hans von
              Metzsch</rs>
                        <anchor type="footnote" xml:id="a315i_208n" ref="#n315i_208n" n="1"/>
            aufgefordert worden, seine Abendmahlslehre darzulegen, was er, nachdem er sich zuerst
            geweigert hatte, nach Erlangung einer kurfürstlichen Erlaubnis in Form dreier Artikel
            getan habe.<anchor type="footnote" xml:id="a2" ref="#n2" n="2"/> Mit der kurfürstlichen
            Zusage verband <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> die Hoffnung
            auf Anhörung seiner Abendmahlsartikel und christliche Unterweisung. Ob sich der folgende
            Verweis auf kurfürstliches Geleit und die Erlaubnis, sich in Kursachen niederlassen zu
            dürfen, auf die kurfürstliche Instruktion vom 17. September 1525<anchor type="footnote" xml:id="a3" ref="#n3" n="3"/> oder auf die Erlaubnis zur Darstellung seiner
            Abendmahlslehre vom Sommer 1527 bezieht, ist nicht klar. Ebenso bleibt Vermutung, was
            der Hinweis auf einen Anhang meint, in dem <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> seinen Irrtum unwillig <quote>mit dem Maul</quote> widerrufen habe,
            und ob dieser Anhang im Zusammenhang mit der kurfürstlich erteilten Erlaubnis zur
            Darlegung der eigenen Abendmahlslehre stand.<anchor type="footnote" xml:id="a4" ref="#n4" n="4"/> Jedenfalls fragt <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs>, wozu er Geleit erhalten habe, wenn er nicht angehört werde. Denn er
            erinnert daran, dass er zwei der drei Artikel zum Abendmahl persönlich in <rs type="place" ref="#torgau">Torgau</rs> (am 18. oder 19. August 1527) übergeben hatte,
            ohne sie öffentlich zu machen, mit dem Wunsch auf unparteiliche Beurteilung und
            christliche Unterweisung; jedoch gelangten die Artikel nach <rs type="place" ref="#wittenberg">Wittenberg</rs>, wo <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> eine schriftliche Antwort verfertigte, die <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> erst danach erreicht habe, ohne dass er sich
            dazu äußern konnte.<anchor type="footnote" xml:id="a5" ref="#n5" n="5"/>
                    </p>
          <p>Schon zur Fastenzeit 1528 (also zwischen 26. Februar und 12. April) hatte <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs>
            <rs type="person" ref="#brueck_gregor">Brück</rs> berichtet, dass <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> und <rs type="person" ref="#bugenhagen_johannes">Bugenhagen</rs> ihn verdächtigten, die Abendmahlsartikel <rs type="person" ref="#johann_i_sachsen">Kurfürst Johann</rs> und <rs type="person" ref="#brueck_gregor">Brück</rs> übergeben zu haben, um die Meinung am Hof zu
              beeinflussen.<anchor type="footnote" xml:id="a6" ref="#n6" n="6"/>
            <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> habe ihnen geantwortet, dass
            er von <rs type="person" ref="#metzsch_hans">Metzsch</rs> zur Abfassung dieser Artikel
            gedrängt worden sei, wobei er vermutete, dass tatsächlich <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> und <rs type="person" ref="#bugenhagen_johannes">Bugenhagen</rs> den Hauptmann dazu aufgefordert hätten, <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> unter Druck zu setzen, seine (weiterhin
            konträre) Abendmahlsauffassung preiszugeben.<anchor type="footnote" xml:id="a7" ref="#n7" n="7"/> Gerne lasse er sich auch in Zukunft berichtigen und belehren.
              <anchor type="wdb" xml:id="_315i_207" spanTo="#_315i_207_end" place="start" subtype="span"/>Daraufhin habe ihn <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs>
            aufgefordert, er solle ihm eine neue, in Argumenten gehaltene, knappe Abhandlung
              übergeben.<anchor type="footnote" xml:id="a8" ref="#n8" n="8"/> Daher hatte sich <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> in der Fastenzeit 1528 von <rs type="person" ref="#brueck_gregor">Brück</rs> eine neuerliche Zulassung für die
            Niederschrift einer solchen Abhandlung geholt und diese dann <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> übergeben: eine Refutation und ein Argument, d.h.
            eine Widerlegung samt thesenartiger Argumentation.<anchor type="footnote" xml:id="a9" ref="#n9" n="9"/> Somit ist für Frühjahr 1528 eine weitere, ebenso wie die erste
            verschollene Abendmahlsabhandlung <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> zu postulieren (<ptr type="wdb" target="kgk_312_introduction.xml"/>).<anchor type="wdb" xml:id="_315i_207_end" place="end" subtype="span"/>
            <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> Antwort auf seine Ausführungen ist,
            in <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> Augen, bestenfalls
            höhnisch zu nennen.<anchor type="footnote" xml:id="a315i_207n" ref="#n315i_207n" n="10"/> Tatsächlich hatte <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> ihm, nach
            Abfangen des Briefes an <rs type="person" ref="#schwenckfeld_caspar">Caspar
              Schwenckfeld</rs> und <rs type="person" ref="#krautwald_valentin">Valentin
              Krautwald</rs> (datiert 17. Mai 1528, <ptr type="wdb" target="kgk_313_introduction.xml"/>), über <rs type="person" ref="#metzsch_hans">Metzsch</rs> die Nachricht vom endgültigen Bruch und der Beendigung ihrer
            theologischen Diskussion verkünden lassen (Juni/Juli 1528, <ptr type="wdb" target="kgk_314_introduction.xml"/>).</p>
          <p>Nicht sicher ist, ob die nun folgenden Ausführungen <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> eine allgemeine Widerlegung von Aussagen aus
              <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> Lehrkorpus darstellen, zum größten
            Teil scheinen sie aber der Argumentation der <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> übergebenen, zweiten Abhandlung <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> zur Abendmahlslehre entnommen. Im Mittelpunkt
            steht erneut <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> Aussage, dass Christus
            seinen Leib zur Speise gegeben habe.<anchor type="footnote" xml:id="a11" ref="#n11" n="11"/>
            <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> bestreitet einen biblischen
            Beweis für diese Aussage, die in der Hl.Schrift im Zusammenhang mit der Verwendung der
            Worte <term type="term">dedit</term> oder <term type="term">datur</term> zu finden sein
              müsste.<anchor type="footnote" xml:id="a12" ref="#n12" n="12"/> Gleich zu Beginn
            bezieht er sich auf seine Refutation, wenn er eine <quote>contradictio</quote> der
            Vorstellung, dass der Leib Christi im Abendmahl gespendet werde, auf <rs type="biblical" cRef="Io_6,32">Joh 6,32–35</rs>.<rs type="biblical" cRef="Io_6,47">47f.</rs> aufbaut:
            Jesus sei als Brot des Lebens allein von Gott gegeben.<anchor type="footnote" xml:id="a13" ref="#n13" n="13"/> Das Abendmahl sei ein Gedächtnismahl an den Tod
            Christi (<rs type="biblical" cRef="1Cor_11,26">1. Kor 11,26</rs>), der im Akt des Mahles
            nicht leiblich anwesend sei.<anchor type="footnote" xml:id="a14" ref="#n14" n="14"/> In
            der Hoffnung auf eine beweiskräftige Antwort <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> habe <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> (in der
            verschollenen Abhandlung) zahlreiche Argumente aufgeführt.</p>
          <p>Gleiche Ablehnung findet die – <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs>
            unterstellte – Aussage, dass die Vergebung der Sünden aus dem Kelch zu trinken
              sei.<anchor type="footnote" xml:id="a315i_209n" ref="#n315i_209n" n="15"/> Zentrale
            Bibelstelle seiner Widerlegung wird – überraschend – Röm 10,6f., wo als falscher Glauben
            bezeichnet wird, in den Himmel zu steigen, um Christus von dort herabzuholen. <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> verwendet diese Stelle, um <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> mit dem leiblichen Essen und Trinken
            im Abendmahl verbundene Heilszusage zu widerlegen, da sie genau dies bedeute: Christus
            leiblich vom Himmel auf die Erde zu holen. Für <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> ist die Vergebung der Sünde an den leiblichen
            Kreuzestod Christi und dessen Passion gebunden, der Mensch Jesus am Kreuz
              gestorben.<anchor type="footnote" xml:id="a16" ref="#n16" n="16"/> Die Behauptung
            einer leiblichen Präsenz im Abendmahl verkehre diese Tatsache auf unnatürliche Weise,
            sie entferne Christus aus seinem Wesen und seiner Natur, kurz: sie sei Gotteslästerung.
            Da <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> in seiner Beweisführung
            biblische Belege und die Artikel der christlichen Glaubenslehre, also die
            Glaubensgrundsätze auf biblischer Grundlage, vor seine eigene Meinung gestellt habe,
            hätte er eine gründliche christliche Unterweisung <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> erwartet, stattdessen aber nur eine lakonische und schriftliche Antwort
              <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> erhalten.<anchor type="footnote" xml:id="a17" ref="#n17" n="17"/> Daher bitte er um eine unparteiische Begutachtung
            beider Schriften.<anchor type="footnote" xml:id="a18" ref="#n18" n="18"/>
                    </p>
          <p>Es folgen philologische Diskussionen. <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> habe eine Divergenz der Evangelisten Matthäus und Markus festgestellt.
            Weil <rs type="biblical" cRef="Mc_14,23">Mk 14,23</rs>
            <quote>biberunt</quote> im Perfekt habe, was eine zeitliche Abfolge des Mahls am
            Gründonnerstag suggeriere, müsse diese Stelle laut <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> getilgt bzw. emendiert werden. Hier besteht eine
            eindeutige Referenz auf <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> jüngsten
            Abendmahlstraktat <term type="title">Vom Abendmahl Christi Bekenntnis</term>.<anchor type="footnote" xml:id="a315i_200n" ref="#n315i_200n" n="19"/>
            <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> insinuiert damit
            ungerechtfertigte Eingriffe <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> in den
            Bibeltext, wenn eine Stelle dessen Theologie widerspreche. Falsch sei auch <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> Rede vom Brechen des Leibes Christi im
              Abendmahl.<anchor type="footnote" xml:id="a315i_201n" ref="#n315i_201n" n="20"/> Gemäß
              Paulus,<anchor type="footnote" xml:id="a21" ref="#n21" n="21"/> der sich auf <rs type="biblical" cRef="Is_53,5">Jes 53,5</rs>.<rs type="biblical" cRef="Is_53,10">10</rs> berufe, sei Christi Leib am Kreuz wegen der Laster der Menschheit gebrochen
              worden.<anchor type="footnote" xml:id="a22" ref="#n22" n="22"/>
            <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> erkennt nun die Notwendigkeit
            eines Vergleichs mit dem hebräischen Originaltext – vermutlich eine Reaktion auf <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs>, der in seiner jüngsten
            Abendmahlsschrift für eine Übersetzung der Wendung <quote>Kelch im Blut Christi</quote>
            ebenfalls auf das Hebräische zurückgriff.<anchor type="footnote" xml:id="a315i_205n" ref="#n315i_205n" n="23"/> Dieser Vergleich gestalte sich für <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> schwierig, habe er doch auf Grund von Armut
            seine hebräische Bibel verkauft. Dennoch gibt er einige Stellennachweise für hebräische
            Ausdrücke von <quote>gebrochen</quote> in verschiedenen Graduierungen (dica, schibar,
              nischbar).<anchor type="footnote" xml:id="a24" ref="#n24" n="24"/>
            <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> überführt die Aussagen <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> zur leiblichen Präsenz Christi im
            gebrochenen Brot in eine rein realistische Vorstellung. Für die Austeilung des Brotes an
            die Teilnehmer der Abendmahlsfeier müsste Christi Leib (in Einzelteile) gebrochen
            werden. <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> habe dafür die Figur der
            Synekdoche gewählt, die zum Ausruck bringen solle, dass der ganze Christus in den Teilen
            des gebrochenen (ausgeteilten) Brotes sei.<anchor type="footnote" xml:id="a25" ref="#n25" n="25"/> Für <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> ist
            diese Begriffsanwendung nutzlos. Zum zweiten vermittle <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> Anschauung, dass Christus ohne die Passion am Kreuz
            gebrochen werde, was erneut der hebräischen Bibelstelle (und letztlich <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> Lehre von der Sündenvergebung)
              widerspreche.<anchor type="footnote" xml:id="a26" ref="#n26" n="26"/>
                    </p>
          <p>
                        <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> bringt nun drei Argumente zum
            Beweis für eine innerbiblische Widerlegung der leiblichen Präsenz Christi im Abendmahl,
            die er mehrfach seit 1524 angeführt hatte. Zuerst verweist er auf die (vermeintliche)
            zeitliche Abfolge (<quote>ordenung</quote>)<anchor type="footnote" xml:id="a315i_202n" ref="#n315i_202n" n="27"/> des Gründonnerstagsmahls. Demnach tranken die Jünger noch
            nicht konsekrierten Wein.<anchor type="footnote" xml:id="a315i_206n" ref="#n315i_206n" n="28"/> Breiter ausgeführt wird zum zweiten der Hinweis auf die falsche Grammatik
            bzw. fehlerhafte syntaktische Verbindung von <quote>hoc</quote> mit <quote>
              panis</quote> (von <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> als
            Solözismus bezeichnet, ein grober grammatischer bzw. syntaktischer Fehler).<anchor type="footnote" xml:id="a29" ref="#n29" n="29"/> Entweder begehe <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> damit einen Fehler oder verwende das Pronomen
            figurativ, was er doch sonst strikt ablehne.<anchor type="footnote" xml:id="a30" ref="#n30" n="30"/> Pronomen müssten aber im Kasus immer kongruent mit ihrem Nomen
            sein; Paulus selbst verwende es in <rs type="biblical" cRef="1Cor_11,24">1. Kor
              11,24</rs> richtig (<quote>hunc panem</quote>). <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> beruft sich auf den einfachen literalen Sinn
            der Worte und versucht, <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> sein
            ureigenes Argument zu entwinden. Alte Bibelübersetzungen pflichteten <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> ebenso bei wie Erasmus (<quote>hoc
              corpus</quote>, <quote>hic sanguis</quote>).<anchor type="footnote" xml:id="a31" ref="#n31" n="31"/> Als drittes Argument bringt <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> die von ihm schon häufig vorgetragene
            Vorstellung vor, dass Christus im Abendmahlsakt mit den Worten <quote>hoc est corpus
              meum</quote> auf seinen eigenen Leib gezeigt habe, und bestätigt sein
            nichtsymbolisches Abendmahlsverständnis als kommemorativer Gemeinschaftsakt in
            Erinnerung an den Kreuzestod Christi.</p>
          <p>Die Wendung <quote>der für euch gegeben</quote> (<quote>deditur</quote>) erklärt <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> zur <quote>schlosrede</quote>,
            also gemäß logischer Lehre zur Konklusion der Erlösung und damit zur Summa der Sünden-
            und Bußlehre.<anchor type="footnote" xml:id="a32" ref="#n32" n="32"/> Der Leib wurde am
            Kreuz zur Vergebung der Sünden gegeben (und könne im Abendmahl nicht wieder und wieder
            gegeben werden).<anchor type="footnote" xml:id="a33" ref="#n33" n="33"/>
            <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> inszeniert sich als
            schrifttreuer Gelehrter, der gegen <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs>
            Lehre, die den Sinn der Hl.Schrift verkehre, anschreibe. Dessen Glossen seien
              <quote>wider den hellen Tag</quote>, das Zeugnis der Schrift (in diesem Fall des
            Evangelisten <rs type="person" ref="#marcus_apostel">Markus</rs>) klar wie der Himmel am
              Mittag.<anchor type="footnote" xml:id="a34" ref="#n34" n="34"/> Auf Grund der
            Verwendung des Perfekts <quote>biberunt</quote> in <rs type="biblical" cRef="Mc_14,23">Mk 14,23</rs> müsse selbst <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> die
            richtige zeitliche Abfolge – zuerst trinken die Jünger aus dem Kelch, erst dann spricht
            Christus die Einsetzungsworte <quote>das ist mein Blut</quote> – bekennen und wolle
            daher das Wort tilgen. Der Kelch werde richtigerweise als neues Testament bezeichnet,
            enthalte im Abendmahl aber nicht das leibliche Blut Christi. Er erlangt aber seine
            Bedeutung nur durch das Blut Christi, d.h. in der biblischen Vergangenheit durch
            Kreuzestod und Passion. Daher spreche man vom Kelch als Neues Testament im Blut
              Christi.<anchor type="footnote" xml:id="a35" ref="#n35" n="35"/>
                    </p>
          <p>Gerne würde <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs>
            <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> Lehre gutheißen, doch stünde dem die
            göttliche Wahrheit entgegen.<anchor type="footnote" xml:id="a36" ref="#n36" n="36"/>
            Vermutlich war deren Billigung durch <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> aber die Voraussetzung für die Darlegung seiner eigenen
              Anschauung.<anchor type="footnote" xml:id="a37" ref="#n37" n="37"/>
            <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> Auffassung stellt <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> nicht seine, sondern Christi Lehre gegenüber.
            Er berichtet, dass er von einer Person gewarnt wurde, die im (Augustiner-)Kloster (also
            bei <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs>) war. Am Vortag (dem 11. August)
            habe er Nachrichten erhalten, dass er bedroht werde – ob von dieser Person oder auf
            andere Weise, lässt <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs>
              offen.<anchor type="footnote" xml:id="a38" ref="#n38" n="38"/> Er hoffe jedenfalls
            weiter auf gerechte Behandlung durch den Hof und Zulassung zu einem Gespräch. Dazu
            stelle er gerne erneut eine Erklärung und Beweisung seiner Lehre zur Verfügung.
            Schließlich bietet er dem <rs type="person" ref="#johann_i_sachsen">Kurfürsten</rs>
            seine Dienste an, womöglich, so marginal festgehalten, als Stadtschreiber. Bei
            abschlägiger Antwort des <rs type="person" ref="#johann_i_sachsen">Kurfürsten</rs>
            bittet <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> um gnädige Beurlaubung
            und rechtzeitige Unterrichtung, um Hab und Gut zu verkaufen und die Schulden zu
              begleichen.<anchor type="footnote" xml:id="a39" ref="#n39" n="39"/>
                    </p>
          <p>
                        <rs type="person" ref="#brueck_gregor">Brück</rs> leitete <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> Mitte September den Brief <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> weiter mit der Bitte um einen Bericht, was
            sich zwischen beiden zugetragen habe, und um eine Stellungnahme zu <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> Abschiedsgesuch.<anchor type="footnote" xml:id="a40" ref="#n40" n="40"/>
            <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> antwortete darauf am 24. September
            1528 abschlägig, stellte den Ablauf aus seiner Sicht dar, verwies auf <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> Übertretung der Erlaubnis zur Niederlassung
            in <rs type="place" ref="#sachsen_kurfuerstentum">Sachsen</rs> vom 17. September
              1525,<anchor type="footnote" xml:id="a41" ref="#n41" n="41"/> da er ins Ausland nach
              <rs type="place" ref="#schlesien">Schlesien</rs> an <rs type="person" ref="#schwenckfeld_caspar">Schwenckfeld</rs> und <rs type="person" ref="#krautwald_valentin">Krautwald</rs> geschrieben habe, und empfahl, <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> erneut mit einem Verbot
            öffentlicher Äußerungen zu belegen.<anchor type="footnote" xml:id="a42" ref="#n42" n="42"/> Ein halbes Jahr später, wohl im Februar oder März 1529, verließ <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> nach eigener Aussage Kursachsen
            und reiste in Richtung <rs type="place" ref="#holstein">Holstein</rs>.<anchor type="footnote" xml:id="a43" ref="#n43" n="43"/>
                    </p>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="crit_app"/>
      <div type="footnotes">
        <note type="footnote" xml:id="n315i_208n" ref="#a315i_208n" n="1">Zum Amtmann (Landvogt) des
          Amtes <rs type="place" ref="#wittenberg">Wittenberg</rs>, dem kursächsischen Hauptmann <rs type="person" ref="#metzsch_hans">Hans von Metzsch</rs>, vgl. <rs type="bibl" ref="#mbw_T_TEMP"> 3, 331–333 Nr. 692</rs> = <rs type="bibl" ref="#wa_b"> 4, 475f. Nr.
            1280</rs>; <rs type="bibl" ref="#mbw_T_TEMP"> 3, 362–365 Nr. 702</rs> = <rs type="bibl" ref="#wa_b"> 4, 505–508 Nr. 1299</rs>; <rs type="bibl" ref="#krentz_ritutalwandel_2014">, 376</rs>. Eine gewisse Nähe zeigt sich im Gruß <rs type="person" ref="#melanchthon_philipp">Melanchthons</rs>, den er <rs type="person" ref="#metzsch_hans">Metzsch</rs> via <rs type="person" ref="#jonas_justus">Justus
            Jonas</rs> entbietet; vgl. <rs type="bibl" ref="#mbw_T_TEMP"> 3, 451,17f. Nr. 755</rs>.
            <rs type="person" ref="#metzsch_hans">Metzsch</rs> war – neben <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs>, <rs type="person" ref="#jonas_justus">Jonas</rs> und
            <rs type="person" ref="#taubenheim_johann_d_a">Hans von Taubenheim</rs> – Mitglied der
          Visitationskommission im Herbst 1528; vgl. <rs type="bibl" ref="#pallas_registratur_1904">
            14f.</rs>; <rs type="bibl" ref="#kawerau_briefwechsel_1885"> 1, 121–124</rs>. <rs type="person" ref="#johann_i_sachsen">Kfst. Johann</rs> beauftragte <rs type="person" ref="#metzsch_hans">Hans von Metzsch</rs> am 13. April 1527, sich mit der <rs type="place" ref="#wittenberg_universitaet">Universität</rs> über eine Wiederaufnahme
            <rs type="person" ref="#glitsch_konrad">Konrad Glitzschs</rs> als Seelsorger zu beraten.
          Ediert bei: <rs type="bibl" ref="#barge_karlstadt_1905"> 2, 571f. Nr. 17d</rs>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n2" ref="#a2" n="2">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_254"/> und <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_201"/>. Zu den drei von <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> verfassten Artikeln (bzw. Teilen seiner
          Abendmahlsabhandlung) vom Sommer 1527 vgl. <ptr type="wdb" target="kgk_310_transcript.xml#_310t_200"/>. Zu einer vorherigen Aufforderung <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs>, gegen <rs type="person" ref="#zwingli_huldreich">Zwingli</rs> und <rs type="person" ref="#oecolampad">Oekolampad</rs> zu schreiben, und der erst nach <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> Verweigerung ausgesprochenen Einforderung
          seiner eigenen Abendmahlsgrundsätze, vgl. <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#n315t_255n"/> und <ptr type="wdb" target="kgk_316_transcript.xml#n316t_206n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n3" ref="#a3" n="3">Siehe die Beilage zu <ptr type="wdb" target="kgk_300_introduction.xml"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n4" ref="#a4" n="4">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_256"/>. </note>
        <note type="footnote" xml:id="n5" ref="#a5" n="5">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_214"/>. </note>
        <note type="footnote" xml:id="n6" ref="#a6" n="6">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_257"/>. Ob <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs>
          <rs type="person" ref="#brueck_gregor">Brück</rs> brieflich anschrieb oder in <rs type="place" ref="#torgau">Torgau</rs> besuchte, ist nicht klar.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n7" ref="#a7" n="7">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_258"/>. </note>
        <note type="footnote" xml:id="n8" ref="#a8" n="8">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_223"/>. Bereits am Ende des Briefes vom 29. Januar
          1528 bittet <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> um eine streng
          strukturierte Antwort (<ptr type="wdb" target="kgk_311_transcript.xml#_311t_210"/>).</note>
        <note type="footnote" xml:id="n9" ref="#a9" n="9">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_222"/>. </note>
        <note type="footnote" xml:id="n315i_207n" ref="#a315i_207n" n="10">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_259"/>. </note>
        <note type="footnote" xml:id="n11" ref="#a11" n="11">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_260"/>. Zur Vorgeschichte dieser Bestreitung <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> s. <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#n315t_261n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n12" ref="#a12" n="12">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_262"/>. In seiner nur vorgetragenen Nachricht an
            <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> bezieht sich <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> höhnisch auf dieses Argument. Siehe <ptr type="wdb" target="kgk_314_introduction.xml"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n13" ref="#a13" n="13">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_263"/>. Dies meint, dass Christi Leib nicht von
          Priestern oder Gläubigen ausgeteilt werden könne – gerichtet gegen Aussagen <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> über die Austeilung des Leibes durch
          Priester (<rs type="bibl" ref="#wa"> 18, 212,27–32</rs>; <rs type="bibl" ref="#wa"> 26,
            470,15–29</rs>). Diese Thematik erwähnt <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> auch im Brief an <rs type="person" ref="#schwenckfeld_caspar">Schwenckfeld</rs> und <rs type="person" ref="#krautwald_valentin">Krautwald</rs> (siehe
            <ptr type="wdb" target="kgk_313_introduction.xml#n313i_202n"/> und <ptr type="wdb" target="kgk_313_transcript.xml#n313t_207n"/>).</note>
        <note type="footnote" xml:id="n14" ref="#a14" n="14">Die alleinige Vorstellung als
          Erinnerungsakt und Verkündigung des Todes Christi bestreitet <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> dezidiert in <rs type="bibl" ref="#wa"> 18,
            199,4–6</rs> und <rs type="bibl" ref="#wa"> 26, 463,15–32</rs>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n315i_209n" ref="#a315i_209n" n="15">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_229"/>. Schon 1525 hatte <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> in <term type="title">Wider die himmlischen
            Propheten</term> das Trinken aus dem Kelch und Christi Rede vom neuen Testament mit der
          Zusage des ewigen Lebens verbunden (<rs type="bibl" ref="#wa"> 18, 203,24–204,21;
            207,9–14; 208,2–6</rs>). <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> zog
          im Traktat <ref type="wdb" target="kt_kgk_ee250">
                        <term type="title">Von dem neuen und
              alten Testament</term>
                    </ref> daraus die Vorstellung, <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> habe behauptet, dass das leibliche Trinken zur
          Vergebung der Sünden führe (<ptr type="wdb" target="kgk_290_transcript.xml#_290t_203"/>).
          Möglicherweise bezieht sich <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> hier
          auf Schlussfolgerungen <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> in dessen
          letzter Schrift <term type="title">Vom Abendmahl Christi Bekenntnis</term>, wonach das
          neue Testament, das die Sünden vergebe, im Kelch, d.h. im Trinken des leiblichen Blutes
          Christi, bestehe (<rs type="bibl" ref="#wa"> 26, 478,33–35; 478,40–479,2</rs>). Vgl. auch
          die empörte Erwähnung dieser Vorstellung im Brief an <rs type="person" ref="#schwenckfeld_caspar">Schwenckfeld</rs> und <rs type="person" ref="#krautwald_valentin">Krautwald</rs> (siehe <ptr type="wdb" target="kgk_313_transcript.xml#_313t_208"/>).</note>
        <note type="footnote" xml:id="n16" ref="#a16" n="16">In <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> Antwort auf <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> erste Artikel (<ptr type="wdb" target="kgk_311_introduction.xml"/>,
          siehe auch <ptr type="wdb" target="kgk_308_introduction.xml"/>) ist dieses Thema nicht
          erwähnt; möglicherweise hat es <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs>
          erst in der zweiten Abhandlung zur Abendmahlslehre (<ptr type="wdb" target="kgk_312_introduction.xml"/>) aufgebracht.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n17" ref="#a17" n="17">Siehe o. <ptr type="wdb" target="kgk_315_introduction.xml#n315i_207n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n18" ref="#a18" n="18">Es ist nicht klar, ob sich <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> auf seine jüngsten Abhandlungen
          zur Abendmahlslehre (<ptr type="wdb" target="kgk_308_introduction.xml"/> und <ptr type="wdb" target="kgk_312_introduction.xml"/>) und <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> erste Antwort (<ptr type="wdb" target="kgk_311_introduction.xml"/>) oder allgemein auf beider Abendmahlsschriften
          bezieht.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n315i_200n" ref="#a315i_200n" n="19">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_233"/>. Zu diesem Vorwurf siehe <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#n315t_234n"/>; der Bezug auf <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> Behauptung, <quote>sie truncken alle draus</quote> in
            <rs type="biblical" cRef="Mc_14,23">Mk 14,23</rs> (<quote>biberunt</quote>) sei ein
          Textfehler, der gemäß <rs type="biblical" cRef="Mt_26,27">Mt 26,27</rs> emendiert werden
          müsse (<rs type="bibl" ref="#wa"> 26, 454,17–455,5</rs>). Die zeitliche Abfolge könne laut
            <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> nicht richtig sein, der Text müsse
          korrigiert werden <quote>nach der ordenunge/ so [die] andern Evangelisten und <rs type="person" ref="#paulus">Paulus</rs> und <rs type="person" ref="#marcus_apostel">S.
              Marcus</rs> selbs ynn der reden vom essen helt</quote> (<rs type="bibl" ref="#wa"> 26,
            454,13–15</rs>). Die Referenz auf diese Bibelstelle zur Feststellung einer zeitlichen
          Abfolge der biblischen Abendmahlshandlungen erfolgte bereits in den Schriften <ref type="wdb" target="kt_kgk_ee236">
                        <term type="title">Ob man mit Hl.Schrift zu erweisen
              vermag, dass Christus im Sakrament sei</term>
                    </ref> und <ref type="wdb" target="kt_kgk_ee250">
                        <term type="title">Von dem neuen und alten Testament</term>
                    </ref>,
          siehe <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#n315t_241n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n315i_201n" ref="#a315i_201n" n="20">Bezug auf <term type="title">Wider die himmlischen Propheten</term> (<rs type="bibl" ref="#wa"> 18,
            168,18–20; 172,18–21; 198,18–200,19</rs>) und <term type="title">Vom Abendmahl Christi
            Bekenntnis</term> (<rs type="bibl" ref="#wa"> 26, 396f.; 470,15–29</rs> [dezidiert gegen
            <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> Vorstellung, dass das
          Brotbrechen für die Kreuzigung stehe] u. <rs type="bibl" ref="#wa"> 26, 487,9–492,36</rs>
          [Brotbrechen als Austeilung des Brotes]).</note>
        <note type="footnote" xml:id="n21" ref="#a21" n="21">
                    <rs type="biblical" cRef="1Cor_11,24">1. Kor 11,24</rs>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n22" ref="#a22" n="22">Zu dieser Diskussion vgl. <ptr type="wdb" target="kgk_311_transcript.xml#_311t_207"/> mit <ptr type="wdb" target="kgk_311_transcript.xml#n311t_216n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n315i_205n" ref="#a315i_205n" n="23">Die Wendung <quote>Kelch
            im Blut Christ</quote> sei als hebräischer Sprachgebrauch bei <rs type="person" ref="#lucas">Lukas</rs> und <rs type="person" ref="#paulus">Paulus</rs> nichts anderes
          als das leibliche Blut des Neuen Testaments nach <rs type="person" ref="#matthaeus_apostel">Matthäus</rs> und <rs type="person" ref="#marcus_apostel">Markus</rs> (<rs type="bibl" ref="#wa"> 26, 464,10–465,11</rs>).</note>
        <note type="footnote" xml:id="n24" ref="#a24" n="24">Als Beispiele werden <rs type="biblical" cRef="Ps_33,19">Ps 33(34),19</rs> und <rs type="biblical" cRef="Ps_50,19">Ps 50(51),19</rs> angeführt. <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> gibt die doppelte Psalmenzählung an.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n25" ref="#a25" n="25">Tatsächlich verwendet <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> die Figur der Synekdoche christologisch. Christus ist
          in <term type="term">unio personalis</term> als <term type="term">totum pro parte</term>
          an göttlichen und menschlichen Handlungen real beteiligt, weil die Person beide Naturen
          unvermischt in sich trägt (<rs type="bibl" ref="#wa"> 26, 321,28–322,2; 322,15f.23f.32f.;
            444,1–5; 444,22–38</rs>). <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> gibt sogar
          die ursprünglich rhetorische Verwendung der Synekdoche bei Quint. or. 8,6,19 u. Donat, Ars
          gramm. 3,6 an. Vgl. <rs type="bibl" ref="#hilgenfeld_elemente_1971">, 357f. u.
            360–367</rs>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n26" ref="#a26" n="26">Verweis auf <rs type="biblical" cRef="Is_53,5">Jes 53,5</rs>.<rs type="biblical" cRef="Is_53,10">10</rs>. Dort hebr.
          schibar, was ein sehr heftiges Brechen bedeutet. Zu <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> expliziter Ablehnung eines Verständnisses des Brotbrechens als
          Erinnerungsakt an die Kreuzigung siehe o. <ptr type="wdb" target="kgk_315_introduction.xml#n315i_201n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n315i_202n" ref="#a315i_202n" n="27">
                    <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> erwähnt hier nicht das Argument der
          grammatischen Abfolge (<term type="term">dedit</term> im Perfekt für die Brotspende, erst
          danach die Zeigegeste auf den eigenen Leib mit <term type="term">dicens</term>
          aussprechend) während der Abendmahlserzählung, die er laut <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> Antwort in den Artikeln vom Sommer 1527 anwandte; vgl.
            <ptr type="wdb" target="kgk_311_transcript.xml#_311t_204"/>. Die Herausstellung der
            <quote>ordenung</quote> mag erneut eine Reaktion auf <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> sein, der in <term type="title">Vom Abendmahl Christi
            Bekenntnis</term> mehrfach die rechte <quote>ordnung</quote> der Abendmahlshandlungen
          betont (<rs type="bibl" ref="#wa"> 26, 461,10–13</rs>).</note>
        <note type="footnote" xml:id="n315i_206n" ref="#a315i_206n" n="28">Eine Antwort auf <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> jüngste Aussage, dass für die Jünger am
          Gründonnerstag im Kelch kein unkonsekrierter (<quote>schlechter eytel</quote>) Wein
          gewesen sei (<rs type="bibl" ref="#wa"> 26, 461,36–38</rs>); vgl. dazu auch die Schrift
            <ref type="wdb" target="kt_kgk_ee250">
                        <term type="title">Von dem neuen und alten
              Testament</term>
                    </ref> (<ptr type="wdb" target="kgk_290_transcript.xml#_290t_218"/>).
          Die Vorstellung, dass Christus erst den Kelch segnete, nachdem die Jünger getrunken
          hatten, erstmals in der Schrift <ref type="wdb" target="kt_kgk_ee236">
                        <term type="title">Ob man mit Hl.Schrift zu erweisen vermag, dass Christus im Sakrament sei</term>
                    </ref>
            (<ref type="print">KGK VII, Nr. 278, S. 554, Z. 1</ref>). Zu <rs type="person" ref="#luther_martin">Luthers</rs> Widerlegung im Rückgriff auf den hebräischen
          Sprachgebrauch siehe o. <ptr type="wdb" target="kgk_315_introduction.xml#n315i_205n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n29" ref="#a29" n="29">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_237"/>. </note>
        <note type="footnote" xml:id="n30" ref="#a30" n="30">
                    <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> hatte sich im Traktat <term type="title">Vom Abendmahl Christi
            Bekenntnis</term> mehrfach explizit gegen die figurative Deutung des Abendmahls durch
            <rs type="person" ref="#oecolampad">Johannes Oekolampad</rs> gewandt (<rs type="bibl" ref="#wa"> 26, 398,31–34; 411,24</rs>). Vgl. <rs type="bibl" ref="#hilgenfeld_elemente_1971">, 150–153 u. 177–182</rs>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n31" ref="#a31" n="31">Vgl. <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_265"/>. mit <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#n315t_264n"/> und <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#n315t_266n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n32" ref="#a32" n="32">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_267"/>. </note>
        <note type="footnote" xml:id="n33" ref="#a33" n="33">
                    <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> verwies darauf, dass dieses <quote>deditur</quote> nur von Lukas und Paulus
          verwendet werde, <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> Verständnis
          als Perfekt und damit abgeschlossene Handlung aber falsch sei (<rs type="bibl" ref="#wa">
            26 462,36–463,14</rs>). Eine Antwort habe er bereits in <term type="title">Wider die
            himmlischen Propheten</term> gegeben (<rs type="bibl" ref="#wa"> 18,
          184,23–185,8</rs>).</note>
        <note type="footnote" xml:id="n34" ref="#a34" n="34">Möglicherweise hatte <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> schon in seinen Artikeln zur Abendmahlslehre
            (<ptr type="wdb" target="kgk_308_introduction.xml"/>) ähnliche Formulierungen verwendet;
            <rs type="person" ref="#luther_martin">Luther</rs> schreibt in seiner Antwort, dass <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> von <quote>lux verbi</quote>
          spreche. Vgl. <ptr type="wdb" target="kgk_311_transcript.xml#_311t_215"/> mit <ptr type="wdb" target="kgk_311_transcript.xml#n311t_217n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n35" ref="#a35" n="35">
                    <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> hatte diese Position bereits 1525 in der Schrift
            <ref type="wdb" target="kt_kgk_ee250">
                        <term type="title">Von dem neuen und alten
              Testament</term>
                    </ref> ausführlich ausgebreitet. Siehe <ptr type="wdb" target="kgk_290_transcript.xml#_290t_204"/>. Zur Neuaufnahme dieser Diskussion siehe
            <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#n315t_242n"/> und <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#n315t_240n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n36" ref="#a36" n="36">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_270"/>. </note>
        <note type="footnote" xml:id="n37" ref="#a37" n="37">Siehe <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#n315t_268n"/> und <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#n315t_269n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n38" ref="#a38" n="38">
                    <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#_315t_271"/>. </note>
        <note type="footnote" xml:id="n39" ref="#a39" n="39">Zu einem möglichen Fortgang aus <rs type="place" ref="#sachsen_kurfuerstentum">Kursachsen</rs> vgl. <ptr type="wdb" target="kgk_315_transcript.xml#n315t_272n"/> und <ptr type="wdb" target="kgk_316_transcript.xml#n316t_209n"/>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n40" ref="#a40" n="40">Vgl. <rs type="bibl" ref="#wa_b"> 4,
            561f. Nr. 1324</rs>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n41" ref="#a41" n="41">Vgl. Beilage zu <ptr type="wdb" target="kgk_300_introduction.xml"/>. Tatsächlich ist dort nur von einer Erklärung seines
          Widerspruchs die Rede, nicht aber von einem Verbot, Kontakte außerhalb <rs type="place" ref="#sachsen_kurfuerstentum">Kursachsens</rs> aufzunehmen. Dagegen verband <rs type="person" ref="#johann_i_sachsen">Kurfürst Johann</rs> die Genehmigung zur
          Übersiedlung <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadts</rs> nach <rs type="place" ref="#kemberg">Kemberg</rs> mit der Forderung, dass er seine Lehre weder
          innerhalb noch außerhalb Kursachsen verbreiten dürfe. Vgl. <ptr type="wdb" target="kgk_304_introduction.xml#_304i_200"/>. </note>
        <note type="footnote" xml:id="n42" ref="#a42" n="42">Vgl. <rs type="bibl" ref="#wa_b"> 4,
            568–570 Nr. 1328</rs>.</note>
        <note type="footnote" xml:id="n43" ref="#a43" n="43">
                    <rs type="person" ref="#karlstadt_andreas">Karlstadt</rs> schrieb Anfang 1530 an <rs type="person" ref="#oecolampad">Oekolampad</rs>, dass er ein halbes Jahr vergeblich auf Antwort vom
          Hof gewartet habe und dann ausgereist sei. Der verschollene Brief wird in <ref type="print">KGK IX</ref> vorgestellt. Zu seinem kurzen Aufenthalt in <rs type="place" ref="#holstein">Holstein</rs> vgl. <ptr type="wdb" target="kgk_319_introduction.xml"/>.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>